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Europa hat ein hartnäckiges Zombieproblem

von Lukas Sustala / 22.04.2016

In der Finanzkrise sind viele Banken ins Wanken geraten, aber zu wenige umgefallen. Viele „lebende tote“ Banken treiben in der Euro-Zone ihr Unwesen und tragen damit zum niedrigen Wachstum auf dem Kontinent bei. Politik und Aufsicht aber verschleppen gerne unangenehme Tatsachen. Ein Videokommentar.

Warum kommen Europas Banken nicht aus der Krise?

Im Verhältnis zu den USA hat Europa nach der Finanzkrise, die 2007 begonnen hat, kaum aufgeräumt. Das sieht man alleine schon an der Anzahl der Banken. Ökonomen werten es negativ, dass nur so wenige Banken nach 2008 verschwunden sind. Die Proportionen sind tatsächlich enorm. In den USA sind seit 2007 fast 40 Prozent der Banken verschwunden, vor allem auch kleinere Institute. In der Eurozone hingegen „nur“ 13 Prozent der Banken, in Österreich etwas mehr. Aber relativ zur Größe des Landes bleibt Österreich „overbanked“.

Warum könnte das problematisch sein?

Weil viele „Zombiebanken“ dadurch am Leben gelassen wurden. Diese untoten Banken sind zwar eigentlich kaputt, aber eben nicht insolvent. Auf der Aktivseite liegen hohe Bestände an faulen Krediten, etwa bei italienischen, spanischen oder eben auch österreichischen Instituten. Weil aber die Regulatoren keinen Druck machen, dass die Verluste realisiert werden, bleiben die Geldinstitute am Leben und vegetieren vor sich hin. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die auch gerne Zentralbank der Zentralbanken genannt wird, warnt, dass schwache Banken die Wirtschaft lähmen.

Wird also das große Bankensterben kommen?

Das sehen Investoren offenbar so, schließlich werden die Banken nach wie vor mit einem Misstrauensabschlag bestraft, in Österreich und Europa deutlich stärker als in den USA. Es ist am Ende wohl kaum nachhaltig, dass so viele Banken trotz geringerer Profitabilität, neuer Konkurrenz von Fintechs und strenger Regulierungen überleben. Eine Marktbereinigung wäre also gut. Sie wird aber verzögert, nicht zuletzt von der extrem lockeren Geldpolitik der EZB. Es liegt in ihrer Hand und in jenen der lokalen Aufsichtsbehörden, acht Jahre nach Ausbruch der Krise Tabula rasa zu machen.


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