Grafik des Tages

Europas Banken sind schon vor dem Stresstest ziemlich im Stress

von Lukas Sustala / 26.07.2016

Diese Woche steht ganz im Zeichen des europäischen Bankenstresstests. Kollege Michael Rasch zeigt in seiner Vorschau, dass die Europäische Zentralbank auf einem schmalen Grat wandelt: Der Test soll nicht zu hart sein, um nicht die Zweifel an der Solvenz mancher Institute zusätzlich zu schüren, aber gleichzeitig nicht zu locker, um nicht den Anschein eines abgekarteten Spiels zu erwecken.

Doch in Wirklichkeit wird die EZB in ihrem Unterfangen von der Realität schon eingeholt, der Stress ist zu gering angesichts der brenzligen Lage. Europas Banken „genießen“ bei Investoren ein gefährliches Misstrauen – und das vier Jahre, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi versprach, alles zu tun, um die Eurozone zu stabilisieren. Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung von Bankaktien relativ zum breiten Aktienmarkt. Wer in Europa investiert, hat bis zuletzt die Finger von den meisten Banken gelassen. Zu unsicher ist etwa die Frage, wie denn die Altlasten der Banken in Italien abzuwickeln sind. Wer diese Frage nicht beantwortet und die lange nötige Rekapitalisierung europäischer Banken weiter hinauszögert, bekommt für das Weiterwursteln eben den Stress serviert.

Auch in Österreich werden die Strukturprobleme erst allmählich gelöst. Die Raiffeisen Zentralbank hat etwa zur Kapitalstärkung den Verkauf eines Teils ihrer Beteiligung am Uniqa-Konzern bekannt gegeben. Während in den USA längst wieder Expansion im Fokus steht, regiert in Europa noch immer der „Stress“, die aufgeregte Suche in Vorstandsetagen, um die Kapitalbasis zu stärken.


Mehr zum Thema:
Zu wenig Stress beim Stresstest – NZZ.at
Italy’s banking problem is serious but can be fixed – Bruegel
https://nzz.at/geld/es-stinkt-auf-europas-monetaeren-muelldeponien