Imago

Randnotiz

Gründerland Nummer siebzig

Meinung / von Leopold Stefan / 27.01.2016

Österreich soll Europas Gründerland Nummer eins werden, verkündete Staatssekretär Harald Mahrer vor knapp einem Jahr. Die Wirtschaftskammer präsentierte heute die Bilanz der Neugründungen im vergangenen Jahr und stellte tatsächlich fest: Österreich liegt in Europa ganz vorne.

Nicht bei der Zahl der Neugründungen pro Kopf – hier lag Österreich innerhalb der EU nach jüngster Bemessung auf dem traurigen vorletzten Platz – sondern bei der Überlebensrate neuer Unternehmen. Sieben von zehn Neugründungen sind nach fünf Jahren immer noch aktiv. Insgesamt ist die Zahl der Neugründungen um 7,2 Prozent auf 39.738 gestiegen. Das Verhältnis der Gründungen zu Insolvenzen habe sich in den vergangenen vier Jahren von 4,5 auf 5,7 verbessert, freute sich WKÖ-Präsident Leitl.

Die lange durchschnittliche Überlebensdauer von Neugründungen kann auch als Kennzahl für geringe Risikobereitschaft in Österreich gesehen werden. Gewiss, für Pflegepersonen, die bereits ein gutes Fünftel der Neugründungen ausmachen, aber separat ausgewiesen werden, selbstständige Buchhalter oder Gastronomen spricht eine lange Überlebensdauer für vernünftiges Wirtschaften.

Für Start-ups hingegen ist eine hohe Risikobereitschaft per Definition erforderlich. Wie passend, dass Start-up jetzt, im Januar 2016, auf der Homepage des Gründerservices der WKÖ zum „Wort des Monats“ erklärt wird. Ein Start-up hebt sich buchstäblich von einer durchschnittlichen Neugründung durch das Potenzial, „ganz nach oben“ zu kommen, ab. Nach oben schaffen es aber nur die wenigsten und daher braucht es Risikobereitschaft – auch wenn es die Statistik der Insolvenzraten besudelt.

Doch selbst die wagemutigen Jungunternehmer gehen dorthin, wo sie die beste Chance auf Erfolg haben. In den kreativen Start-up-Zentren vom Silicon Valley über London bis Tel Aviv scharen sich Gründer, weil sie entsprechende Unterstützung erhalten. Einige erprobte Maßnahmen sind etwa niedrige Steuerraten für Jungunternehmen, spezielle Visa für internationale Gründer, Steuervorteile für Beteiligungen von Investoren – wie sie die Junge Wirtschaft bereits fordert. Dazu muss der Staat kein Paket schnüren und einer Behörde zur Durchführung übertragen, sondern einfach die Regeln lockern.