Boris Roessler/dpa

EZB kauft in großem Stil negativ rentierende Anleihen

von Michael Rasch / 05.08.2016

Die EZB erreicht mit dem Kaufprogramm für Firmenanleihen nach ihr Ziel, die Finanzierung von Unternehmen zu verbessern. 20% der gekauften Titel rentierten unter null. Die Kritik am Programm bleibt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat vom Start am 8. Juni bis zum 15. Juli im Rahmen ihres Kaufprogramms für Unternehmensanleihen (ausser von Finanzinstituten) Wertpapiere von Firmen der Euro-Zone in Höhe von 10,4 Mrd. € erworben. Dies teilte die Zentralbank am Donnerstag im Rahmen ihres regelmässig erscheinenden Wirtschaftsberichts mit. 7% der Unternehmensanleihen kaufte sie am Primärmarkt, also direkt bei der Emission und 93% erwarb sie später im sogenannten Sekundärhandel.

Gut 20% der erworbenen Titel hatten eine negative Rendite oberhalb des Einlagesatzes von –0,4%, wie die EZB schreibt. Die Vorgabe, dass die Notenbank keine Anleihen kaufen darf, die stärker im negativen Bereich tendieren als der Zinssatz für die Einlagenfaszilität, hat sie sich selber auferlegt. Die Beschränkung soll verhindern, dass die Notenbank zum Zeitpunkt des Erwerbs einen Verlust durch die Käufe erwarten muss. Insgesamt hat die EZB im genannten Zeitraum von 175 verschiedenen Emittenten 458 unterschiedliche Anleihen erworben. Die Renditen der gekauften Papiere lagen zwischen –0,3% und mehr als 3%. Das Kaufprogramm für Unternehmensanleihen (CSPP) ist Teil des allgemeinen Programms zum Kauf von Vermögenswerten (APP).

Laut Untersuchungen der Notenbank selbst sorgte allein die Ankündigung des Programms am 10. März bereits für eine deutliche Verengung der Differenzen zwischen den Renditen für Anleihen von Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors und einem risikofreien Zins. Eine Zeitreihen-Panel-Analyse habe ergeben, dass 11 Basispunkte des insgesamt 16 Basispunkte betragenden Rückgangs des Zinsabstandes von Unternehmensanleihen der Investitionsklasse (Investment Grade) im Euro-Raum in der Phase vom 10. bis 24. März auf die geldpolitischen Massnahmen der EZB zurück zu führen waren. Zu den Massnahmen gehörte auch das Kaufprogramm für Corporate Bonds. Dieselbe Analyse zeigt ferner einen deutlichen Einfluss des Programms auf andere Segmente des Obligationenmarktes, an denen auch nicht ankaufsfähige Unternehmensanleihen gehandelt werden. Für Hochzinsanleihen ergab sich ein Effekt von 25 Basispunkten und für Anleihen von Finanzinstituten von fünf Basispunkten.

Kritiker beklagen, dass die EZB mit dem Kaufprogramm die ohnehin schon geringe Liquidität auf dem Markt für Unternehmensanleihen weiter reduziert und private Investoren verdrängt. Ausserdem würden kleine und mittlere Firmen durch das Kaufprogramm benachteiligt, da das Programm primär grosse Konzerne mit direktem Zugang zum Kapitalmarkt begünstige. Diese Konzerne verfügten jedoch sowieso über sehr gute Finanzierungskonditionen.