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Erlösquellen gesucht

Facebook greift sich Daten von WhatsApp-Nutzern

von Henning Steier / 25.08.2016

Dass der Messenger nun Nutzerdaten mit Facebook teilt, kommt aus mindestens drei Gründen nicht überraschend.

WhatsApp hat angekündigt, dass die Telefonnummern von Nutzern mit Facebook-Systemen verbunden werden. „Dadurch kann Facebook dir besser Freunde vorschlagen und dir passendere Werbung anzeigen, falls du einen Account dort haben solltest. Du könntest zum Beispiel Werbung von einem Unternehmen sehen, mit dem du bereits in Kontakt gestanden hast, anstatt eines vorgeschlagen zu bekommen, von dem du noch nie gehört hast“, heisst es im Unternehmensblog. Zudem könne WhatsApp dank der Kooperation mit Facebook etwa Kennzahlen über die Häufigkeit, mit der die Benutzer Dienste verwenden, verfolgen und besser gegen Spam vorgehen. Voraussetzung ist, dass Anwender den neuen Nutzungsbestimmungen zustimmen. Im Klartext: Wer das nicht tut, wird WhatsApp nicht mehr verwenden können.

WhatsApp-Gründer Jan Koum muss Facebook Geld bringen.
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Die Macher des eine Milliarde User zählenden Messengers betonten, Nutzer würden auch in Zukunft keine Werbung von Dritten in WhatsApp sehen. Die App wird wie etwa der Facebook Messenger und WeChat aber zum Kommunikationskanal mit Unternehmen ausgebaut. User werden etwa Informationen zu Bestellungen, Transaktionen und Terminen erhalten. Aber auch: „Nachrichten, die du erhältst, die Marketing enthalten, könnten Angebote zu etwas enthalten, das dich interessiert.“ WhatsApp wird man übrigens weiterhin auch nutzen können, ohne Facebook-Mitglied sein zu müssen. Bestandsnutzer von WhatsApp könnten es Facebook verbieten, Profilinformationen für personalisierte Werbung und Freundesvorschläge einzusetzen, hiess es weiter. Die Nutzungsdaten samt Telefonnummer werden aber in jedem Fall mit dem Social Network geteilt.

Keine WhatsApp-Bilder auf Facebook

Und welche Daten werden mit Facebook geteilt? Die Telefonnummer, mit der man sich verifiziert hat und die jüngste Login-Zeit. Per WhatsApp geteilte Inhalte wie Nachrichten und Fotos werden nicht auf Facebook oder in anderen Diensten des Unternehmens veröffentlicht.

WhatsApps Ankündigung kommt nicht überraschend. Bereits vor ein paar Monaten war in einer Testversion für Android zu erkennen, dass Nutzerdaten einst mit Facebook würden geteilt werden können. An der Digitalkonferenz DLD hatte WhatsApp-Gründer Jan Koum zudem bekanntgegebene, dass der Messenger zum Unternehmenskommunikationskanal werden würde.

Nicht mehr unabhängig

Nicht zuletzt hat WhatsApp dieses Jahr die Abonnementsgebühr von einem Franken abgeschafft. Bekanntlich hat Facebook WhatsApp 2014 für fast 22 Milliarden Dollar übernommen. Und irgendwie müssen diese Ausgaben wieder eingespielt werden. Fakt ist aber auch, dass Koum oft gesagt hat, WhatsApp werde unabhängig bleiben. Spätestens jetzt weiss man, was von dieser Aussage zu halten ist.

Es könnte also sein, dass die Verknüpfung zwischen Facebook und WhatsApp noch enger wird, denn das Gros seines Geldes verdient das grösste Social Network nun einmal mit passgenauer Werbung, für die es mehr Daten braucht. Und WhatsApp böte sich als neuer Ausspielungskanal an, wenngleich natürlich viele User schon auf Facebook sind, den Facebook Messenger oder Instagram verwenden. In jedem Fall müsste WhatsApp dem Facebook Messenger und Googles Allo folgen: In diesen Apps ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung standardmässig deaktiviert, um Nutzerverhalten und -daten für Werbezwecke auswerten zu können.

Mit der von vielen Experten hochgelobten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die WhatsApp in diesem Jahr eingeführt hat, konnte der immer wieder wegen Privatsphären- und Datenschutzrisiken kritisierte Messenger viel Sympathie gewinnen. Als damals die Facebook-Übernahme publik wurde, tobte im Netz vielerorts ein Sturm der Entrüstung, weil mancher Nutzer den Ausverkauf seiner Daten befürchtete. Abzuwarten bleibt, welcher Protestler sich nun noch daran erinnert.