Fitch: Österreichs Banken sind auf sich allein gestellt

von Lukas Sustala / 20.05.2015

In einem Rundumschlag hat die US-Ratingagentur Fitch über dutzenden Banken den Daumen gesenkt. Wie es zu der schlechter eingeschätzten Bonität gekommen ist.

Es war bereits im März angekündigt, nun aber ist die Entscheidung da. Die US-Ratingagentur Fitch hat zahlreiche Banken empfindlich heruntergestuft, und die österreichischen Geldhäuser Unicredit Bank Austria, Erste Group, Raiffeisen Bank International, Kommunalkredit, KA Finanz und den Volksbankenverbund gleich mit.

Doch die Zurückstufung hat einen positiven Auslöser: Die Bonitätswächter aus den USA erwarten, dass die Geldhäuser künftig nicht mehr von ihren Regierungen gerettet werden.

Die gesetzlichen, regulatorischen und politischen Initiativen haben die Wahrscheinlichkeit einer staatlichen Unterstützung für Geschäftsbanken in den USA, der Schweiz, der Europäischen Union und in Hongkong deutlich reduziert.

In der Vergangenheit profitierten die Banken von der impliziten Staatsgarantie und konnten sich so zu besseren, günstigeren Konditionen an den internationalen Finanzmärkten mit Geld versorgen. Dass die Ratingprüfer bei Fitch künftig nicht mehr davon ausgehen, dass eine Bank im Krisenfall gestützt wird, führt natürlich dazu, dass ihre Kreditqualität zurückgeht, fällt doch künftig der Gläubiger um seine Forderungen um, wenn keine Regierung zur Rettung eilt. Schlecht für die Banken, gut für die Steuerzahler.

In Österreich aber kommen noch ein, zwei andere Elemente zu den Herabstufungen hinzu. 1. Die Heta: Die Abwicklung der Abwicklungseinheit der Hypo Alpe Adria zeigt ausländischen Investoren besonders deutlich, dass der österreichische Staat keine Lust mehr hat, Milliarden in angeschlagene Banken zu stecken.

2. Osteuropa: Die heimischen Banken sind in riskanteren Geschäftsfeldern als andere europäische Konkurrenten tätig, etwa in Russland oder Rumänien. Das führt dazu, dass nun die österreichischen Großbanken bei Fitch nur noch knapp über einem Ramsch-Rating liegen. Die RBI etwa hat bei Fitch ein BBB-Rating mit einem negativen Ausblick, zwei Stufen über Ramsch, die Erste Group ein BBB+. Der Volksbankenverbund ist tatsächlich in den Ramschbereich heruntergestuft worden, auf BB+. Diese Tatsache wird dem aktuellen Abwicklungsprozess keineswegs gut tun.

Tatsächlich fallen die Herabstufungen im internationalen Vergleich auch etwas harscher aus. Einzig noch in Deutschland sind die Herabstufungen ähnlich stark. Hier ist etwa die verstaatlichte Commerzbank auf ein ähnliches Bonitätsniveau (BBB) abgestuft worden.

Was sind die Folgen?

Theoretisch ist es ja so: Je besser die Bonität einer Bank, desto günstiger sollte sie sich auf den Finanzmärkten refinanzieren können. Das ist extrem wichtig für ihr Kerngeschäft. Sie verschuldet sich günstig und kurzfristig und vergibt teurere und langfristige Kredite. Aus der Zinsdifferenz erwirtschaftet sie den Gewinn.

Die Möglichkeiten, Einlagen einzusammeln, sind vom Rating hingegen eher unabhängig, weil kaum ein heimischer Sparer überprüft, wie gut denn die Bonität der Bank ist, der er sein Geld anvertraut. Musste er oder sie natürlich auch jahrelang nicht, weil sowieso die Einlagensicherung Geld bei Fuß steht, um mögliche Verluste von bis zu 100.000 Euro abzudecken. Aber andere Gläubiger, Banken, Versicherungen, Fonds reagieren auf die Rating-Verschiebung. Daher werden insbesondere jene Banken, die darauf angewiesen sind, sich über Anleihen oder kurzfristige Schuldverschreibungen zu finanzieren, tendenziell leiden.

In jedem Fall führt die Herabstufung der Banken zu einer unüblichen Situation. Große Unternehmen, wie die heimische OMV, haben ein höheres Rating als heimische Banken. Aktuell bewertet Fitch die OMV mit A-. Für das Kerngeschäft der Geldhäuser ist die Herabstufung in jedem Fall neben Nullzinsumfeld, strengeren Regularien und der schwachen Wirtschaftslage eine zusätzliche Herausforderung.

Für die Steuerzahlenden ist die Entwicklung hingegen positiv. Denn sie bedeutet, dass die Geldhäuser zumindest theoretisch auf eigenen Beinen stehen müssen.