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Walkthrough

Flucht als Chance

von Lukas Sustala / 16.11.2015

Die „Jahrhundertchance“ Flüchtlinge und der Sozialstaat. Die Zukunft des Ölmarktes. Raiffeisen reformiert sich. Marriott und Starwood formen einen Hotelgiganten. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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First things first. Es fällt schwer, an so einem Tag wieder zur Nachrichten-des-Tages-Ordnung überzugehen. Was in Paris passiert ist, wird aller Voraussicht nach länger, anders und komplexer nachwirken als die vielen Reaktionen, meine eingenommen, es erfassen können. Von daher kann und sollte man wenig anderes tun als Ruhe bewahren, realistisch bleiben und frei sein, finde ich. Und die vielen Schlagzeilen, Leitartikel und Kommentare, die das Wort „Weltkrieg“ verbreiten, tragen nicht dazu bei. Dabei braucht es eher Ruhe als Aufruhr. Hintergründe und Analysen finden Sie unter http://nzz.at/channel/terror-in-paris.


Zwischen Jahrhundertchance, -risiko und harter Arbeit. Die Hamburger Zeit hat vergangene Woche den Flüchtlingsstrom als „Jahrhunderchance“ betitelt. In Deutschland streiten sich die Ökonomen aber noch, ob diese Chance nicht auch Risiken bringt, und wie man den Erfolg denn sicherstellen kann (NZZ.at). In Österreich bleiben die Debattenseiten leider unnötig leer. Dass Österreich als Land des wiederholt beklagten Fachkräftemangels nichts gegen Zuwanderer haben kann, die man gut ausbildet, ist das eine. Doch dafür müssen auch die Voraussetzungen für schnelle Integration, gute Arbeitsplatzsituation und Anpassungsfähigkeit geschaffen werden. Die deutschen Modellrechnungen zeigen, dass die Bandbreite von Erfolg und Misserfolg bei dem Thema sehr groß ist. Damit in Österreich der Erfolg überwiegt, muss auch die „Inaktivitätsfalle“ in Form der Mindestsicherung reformiert werden (NZZ.at). Denn nur über den Faktor Arbeit kann die aktuelle Fluchtbewegung auch zu etwas werden, was die angespannten Sozialstaatsbudgets hierzulande langfristig entlasten könnte.

Öl und Terror. NZZ-Korrespondent Gerald Hosp hat eine spannende Geschichte über den internationalen Ölmarkt geschrieben, mit dem Namen „Mehr Öl und weniger Geld“ (NZZ.at). Das könnte mehr mit dem Terrorismus des IS zu tun haben als die meisten anderen Geschichten des heutigen Tages. Denn finanziert werden die Terrormilizen vor allem aus den Einkommen aus dem Ölgeschäft oder von privaten Financiers, die in ebenjenem Geschäft ihren Reichtum schöpfen. Wenn die IEA recht behält, dann werden die Energiepreise noch länger sehr niedrig sein. Denn es ist nicht „nur“ so, dass das Angebot von Öl aktuell durch die US-Produzenten derart stark erhöht wurde. Nein, auch die Nachfrage ist unter einem enormen Druck.

Japan schlittert in die Rezession. Angesichts der Sorge um ein schwächeres Wachstum in China und der Weltwirtschaft haben die japanischen Unternehmen ihre Investitionen gedrosselt (NZZ). Im dritten Quartal ist Japans Wirtschaft damit erneut geschrumpft, das BIP ist im Jahresvergleich um 0,8 Prozent zurückgegangen. Das ist eine deutlich schlechtere Entwicklung als von Ökonomen erwartet, herrscht doch nun nach allgemeingültiger Definition eine Rezession.

US-Wahlen und der Aktienmarkt. In einem Jahr ist es so weit. Dann werden die US-Präsidentschaftswahlen in den USA geschlagen. Es ist bis dato ein Wahlkampf, der eher mit Skurrilitäten auf sich aufmerksam macht und so gar nicht recht mit Wirtschaftspolitik gewonnen werden könnte. Und doch ist es sinnvoll, sich mit der Wahl intensiv zu beschäftigen. Nicht nur, dass der politische Konjunkturzyklus bekanntermaßen auf die Börse wirkt. Es gibt klar demokratisch und republikanisch zu favorisierende Aktien, die je nach wirtschafts-, energie- und gesundheitspolitischem Programm profitieren könnten (NZZ.at).

Reform im Raiffeisen-Reich. Die Bankengruppe Raiffeisen will sich offenbar bald zur Straffung der Strukturen durchringen. Laut der Finanznachrichtenagentur Bloomberg könnte es dabei um eine Fusion der Osteuropabank Raiffeisen Bank International mit ihren Eigentümern gehen.

Die Struktur des Raiffeisenkonzerns wird schon länger kritisiert, und bankintern wird an Alternativen gearbeitet (NZZ.at). Konkret könnte in den kommenden Monaten eine mögliche Fusion der börsennotierten Raiffeisen Bank International mit zwei ihrer Muttergesellschaften durchgezogen werden. Demnach könnte die RBI mit ihrer Mehrheitsaktionärin RZB und der RLB Niederösterreich Wien zusammengehen, sagten Insider. Die Folge wären weitere Umbauten, etwa ein Verkauf der Uniqa-Anteile. Die betroffenen Raiffeisen-Banken kommentierten den Bloomberg-Bericht nicht.

Das mit der ruhigen Kugel war einmal. Bei einer anderen Bank wird es schneller gehen. In zwei bis drei Wochen sollen wir wissen, wie es mit dem Privatkundengeschäft der Bank Austria weitergeht. Dann werden auch Kunden und Mitarbeiter ein bisschen mehr Klarheit haben. Bis dahin wird in unserer Podcastepisode vor allem eines klar: Keine Bank wird angesichts von Regulierung und Digitalisierung in den nächsten Jahren zur Ruhe kommen (NZZ.at).


Liebe Abonnentinnen und Abonnenten, diese und weitere Podcast-Episoden finden Sie auch unter http://nzz.at/channel/podcast-geld.


Free Lunch – Food for Thought

Roboter nehmen uns unsere Jobs nicht weg, wirklich nicht.

Die Risiken der Notkredite an Griechenland (Ökonomenstimme).

Fusionitis, Hotel-Edition.

Gefälschte CO2-Daten betreffen auch aktuelle VW-Modelle (Spiegel).

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