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Randnotiz

Fondskosten: Insgesamt billiger, doch die Österreicher zahlen drauf

von Lukas Sustala / 24.08.2016

„Es gibt gute Nachrichten für viele Investoren in Europa“, schreibt Ali Masarwah von Morningstar – dem Analysehaus. Er kann eine positive Bilanz aus Anlegersicht ziehen, denn die Kosten für Fonds gehen zurück. „Eine umfassende Morningstar-Untersuchung hat zutage gefördert, dass in den vergangenen drei Jahren die laufenden Gebühren kapitalgewichtet von 1,09 Prozent auf 1,0 Prozent gesunken sind.“

Das ist sehr positiv, weil die Kosten oft wichtige Gründe dafür sind, dass Sparer und Anleger ihre Ertragsziele verfehlen. Schließlich fallen bei der Anlage in Fonds und andere Wertpapiere viele Gebühren an. Von der Depot- über die Transaktionsgebühr, die die Bank einhebt, über die Verwaltungskosten der Fondsgesellschaften und die Gebühren, die in den Produkten selbst anfallen.

Die Morningstar-Analyse zeigt, dass es zumindest bei den laufenden Kosten der Fonds in die richtige Richtung geht. Doch es gibt in der Studie einige unrühmliche Ausnahmen. Eine davon ist Deutschland, eine andere Österreich. In Österreich hat sich das Kostenniveau zwischen 2013 und 2016 so gut wie gar nicht verändert. In allen Fondsdomizilen mag es um 9 Basispunkte zurückgegangen sein, ein Minus von 8,3 Prozent. In Österreich verharrten die laufenden Kosten hingegen bei 1,12 Prozent. Bei den Aktien-Produkten sind österreichische Fonds gar im absoluten Spitzenfeld zu finden.

Dafür gibt es wohl zwei Gründe: Einerseits ist es so, dass die Branche im internationalen Vergleich fragmentiert ist. Viele Fondsmanager verwalten relativ kleine Vermögen, versuchen so also tendenziell hohe Kosten. Andererseits werden Fonds viel eher verkauft als gekauft. Viele Kunden werden über den Vertriebskanal der Bank erreicht, es besteht daher wenig direkter Wettbewerb zwischen den Produkten. Normalerweise würden die vielen Anbieter wohl zu einem massiven Preisdruck beitragen, doch für den Endkunden sorgt ein Mangel an Wettbewerb für tendenziell höhere Preise.

Was die jüngst eingesetzte Konsolidierungswelle, die ausländische Fondsgesellschaften wie die französische Amundi (BAWAG P.S.K. INVEST) und die deutsche Union Investment (Volksbanken) im österreichischen Markt ausgelöst haben, bewirken wird, zeigt sich bereits. Fonds werden geschlossen, weniger Fondsmanager verwalten dafür größere Vermögen. Ob das an der Kostenstruktur etwas ändern wird, wird sich erst bei der nächsten Morningstar-Analyse zeigen.

Bis dahin gilt jedenfalls, dass nur der Vergleich verschiedener Finanzprodukte sicher macht. Nicht nur bei Elektrohändlern und Autohäusern ist der disziplinierte Kostenvergleich eine Tugend, sondern eben auch bei Finanzprodukten.


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