REUTERS/Kai Pfaffenbach

Walkthrough

Frankfurt, wir haben ein Problem

von Lukas Sustala / 29.07.2016

Beim Stresstest für Europas Banken geht es um eine scheinbar simple Frage: Wie solide sind Europas Geldhäuser? In Österreich wiederum zeigt sich, dass die groß angekündigte Steuerreform nicht wirklich ankommt. Und die Geldhäuser haben die Bitcoin-Revolution in Ketten gelegt. Ein Walkthrough im Phänomen Geld. 

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Frankfurt, wir haben ein Problem. Europas Banken brauchen an sich keinen Stresstest für ihren Stress. Niedrigzinsumfeld, eine eher schwache Konjunkturentwicklung und ein hoher Berg an faulen Krediten sorgen auch ganz ohne die Aufsicht für einen Giftcocktail, den nicht jede Bank überleben wird. Doch beim aktuellen Stresstest, dessen Ergebnisse am Freitag nach US-Börsenschluss bekannt gegeben werden, geht es nur vordergründig um „Scheitern“ oder „Schaffen“ (NZZ.at). Die Banken werden von der EZB nur bestätigt bekommen, was an den Finanzmärkten bereits in den vergangenen Jahren attestiert wurde. Dass es lokale Probleme gibt (Stichwort: Italien), dass einzelne Institute ein neues Geschäftsmodell brauchen (etwa die Deutsche Bank) und dass sich, je nachdem in welchen Märkten man unterwegs ist und welche Konzernstruktur gewählt wurde, die Spreu vom Weizen trennen wird (wie der Unterschied zwischen Raiffeisen Bank International und Erste Group in Österreich zeigt). Die offene Frage auch nach dem heutigen Tag wird sein, wie schnell denn nun wirklich die identifizierten Kapitallöcher gestopft werden – und ob dabei wieder Steuergeld genutzt wird.

Klar ist: Es gibt auch für die Ökonomen von Capital Economics gute Gründe, sich Italiens Bankensektor genau anzusehen. Denn nirgends sonst ist der Anteil der faulen Kredite am Bankkapital so hoch wie dort. Doch Stress gibt es auch anderswo, denn die Banken müssen ihre Kapitalpolster den neuen Anforderungen anpassen. Vielleicht sollte man sich daher noch einmal diesen Text durchlesen: Warum Lehman Brothers wirklich unterging (NZZ.at).

Notleidende Kredite als Anteil am Kapital der Banken
Credits: Capital Economics, IMF

Wenn Sie am Bankenstress auch abseits der heute akuten Testung interessiert sind, lege ich Ihnen den starken Text von NZZ-Redakteur Jürg Müller ans Herz. Er hat sich die „unheilige Allianz“ von Banken und Staaten angesehen, die gegenseitige Investoren und Aufseher sind. „Staaten und ihre Banken, das ist eine Beziehung mit gewissen Vorzügen, gelegentlichen Anschuldigungen – und dummerweise einer gemeinsamen Haushaltskasse.“ (NZZ.at)

Die Steuerreform wirkt – aber so richtig auch wieder nicht. Das Wirtschaftsforschungsinstitut hat am Freitag verkündet, dass sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal ein bisschen abgeschwächt hat: Von 0,4 auf 0,3 Prozent im Quartalsvergleich. „Die größten Wachstumsimpulse gingen erneut von der Binnennachfrage aus, sowohl der Konsum als auch die Anlageinvestitionen wurden ausgeweitet. Die Industriekonjunktur schwächte sich zuletzt leicht ab.“ Positiv wirkte etwa der „Sondereffekt Steuerreform“, sagen die Ökonomen. Wobei die Herren und Damen Österreicher das offenbar anders sehen, denn die Steuerreform kommt nicht bei ihnen an, wenn man sie fragt (NZZ.at).

Die Frage lautete: Ab dem 01.01.2016 ist in Österreich die neue Steuerreform mit einer Entlastung für die Steuerzahler in Kraft getreten. Sind die Effekte dieser Entlastung für Sie in Ihrem täglichen Leben bereits spürbar?Antwortmöglichkeiten:

Nein, ich spüre keine Entlastung durch die Steuerreform

Ja, mir bleibt zwar mehr Geld monatlich zur Verfügung, die steigenden Gebühren und Abgaben vernichten die positiven Effekte der Steuerreform komplett

Ja, mir bleibt zwar mehr Geld monatlich zur Verfügung, einen Großteil davon muss ich aber für die steigenden Gebühren und Abgaben ausgeben

Ja, ich kann jetzt mehr Geld auf die Seite legen als vorher

Ja, ich kann mir endlich die Sachen leisten, die ich mir früher nicht leisten konnte

Für die Eurozone hat sich das Wachstum im zweiten Quartal übrigens halbiert (FT). Dabei ist der Brexit-Effekt noch gar nicht abzulesen.


Credits: FT, Bloomberg

Und der Brexit-Effekt könnte je nach Land ziemlich heftig spürbar sein.

Deindustrialisierung ist keine Klimapolitik, wirklich nicht. Die Weltklimakonferenz 2015 von Paris hat die Latte hochgelegt. Weltweit soll die Durchschnittstemperatur nicht mehr als zwei Grad über das vorindustrielle Niveau ansteigen. In der EU hat man sich schon früher auf tiefergreifende Maßnahmen geeinigt: Die CO2-Emission soll bis 2030 um 40 Prozent sinken. Die energieintensive Industrie steht damit vor einer großen Herausforderung. Von der Politik fühlt sich der Sektor damit im Stich gelassen (NZZ.at).

Wie es so bei Google und Co. läuft. „Auch wenn im Silicon Valley derzeit an unzähligen, auf der Digitalisierung beruhenden Geschäftsideen gearbeitet wird, so hat diese Woche abermals gezeigt, wo derzeit im Internet das Geld liegt: Im Verkauf von Anzeigenflächen in digitalen Medien.“ NZZ-Korrespondentin Christiane Hanna Henkel hat sich angesehen, wie das Geschäft bei Google, Facebook und den anderen Tech-Giganten läuft (NZZ.at). Ein Blick auf die Unternehmenswerte der größten Konzerne zeigt jedenfalls, dass die Euphorie aktuell vor allem bei Alphabet und Facebook groß ist.

Geldpolitik: Und täglich grüßt das Murmeltier. Die japanische Zentralbank reicht der Regierung die Hand und lockert ihre Geldpolitik ein wenig (NZZ.at). Erneut versucht eine Notenbank, ein Land, das strukturell wohl an gewisse Wachstumsgrenzen gestoßen ist, mit billigem Geld anzukurbeln. Dabei zeigt sich in Japan so stark wie in sonst kaum einem Industrieland, welche engen Grenzen die Geldpolitik bei ihrer Wirkung hat.

Inspirationen – Food for Thought

Ein Beweis dafür, dass Investoren auf eine lange Phase niedriger Zinsen wetten.

Blockchain ist kein Orchideenthema mehr. Viele Finanzinstitute experimentieren bereits mit der Technologie. Dabei geht auch der ursprüngliche Reiz verloren (NZZ.at).

Eisenerzproduzenten: Kosten runter um jeden Preis (NZZ.at).

Der Ölmarkt zeigt sich wieder von seiner pessimistischen Seite.

Die Welt schwimmt im Geld, das Wachstum bleibt aber schwach (Die Presse).

Sex, Drogen, Überwachung: Arbeitsalltag beim weltgrößten Hedgefonds (Der Standard).