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Geldpolitik

Fünf Fragen und Antworten zu Jackson Hole

von Thomas Fuster / 26.08.2016

In Jackson Hole treffen sich derzeit die Zentralbanker zu ihrer wichtigsten internationalen Zusammenkunft. Dieses Jahr steht die Tagung unter besonderer Beobachtung. Fünf Fragen und Antworten zum Treffen.

Welche Bedeutung hat das Jackson-Hole-Treffen?

Das stets Ende August in Jackson Hole stattfindende „Economic Policy Symposium“ gilt als das „Davos der Zentralbanken“. Zwar handelt es sich um ein informelles Treffen in ungezwungener Atmosphäre, an dem keine bindenden Entscheide gefällt werden. Das Forum ist aber ein Stimmungsbarometer für die Sorgen und Nöte der Währungsbehörden. Diskutiert werden dabei vor allem Themen langfristiger Natur, die über die Tagesaktualität hinausreichen. An internationaler Reputation gewann die Veranstaltung vor allem in den 1990er Jahren unter dem damaligen Fed-Vorsitzenden Alan Greenspan

Wieso trifft man sich in so abgelegener Gegend?

Von 1978 bis 1981 fand das von der Federal-Reserve-Niederlassung in Kansas City organisierte Symposium in unterschiedlichen Städten statt. Im Jahr 1982 verschob man den Tagungsort nach Jackson Hole im amerikanischen Gliedstaat Wyoming, auf rund 2000 Meter über Meer. Angeblich wählte man deshalb die malerische Bergwelt der Rocky Mountains, um den damaligen amerikanischen Notenbankchef Paul Volcker – ein begeisterter Fliegenfischer, der seinem Hobby in der Sommerhitze Washingtons nicht nachgehen konnte – für die Teilnahme gewinnen zu können.

Wer darf am Treffen teilnehmen?

Teilnehmen am Symposium darf nur, wer eine der rund 150 Einladungen erhält. Die Einladungen gehen in erster Linie an Notenbanker aus aller Welt. Aber auch Wissenschafter, Bankökonomen und wenige Journalisten zumeist amerikanischer Medien kommen in den Genuss der begehrten Karten. Der Teilnehmerkreis ändert sich indes von Jahr zu Jahr, zumal je nach Schwerpunktthema andere Spezialisten, von denen man wertvolle Inputs erwartet, eingeladen werden. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) nimmt dieses Jahr Fritz Zurbrügg, der Vizepräsident des SNB-Direktoriums, teil.

Welche Erwartungen haben die Märkte an das diesjährige Treffen?

Das offizielle Thema der Veranstaltung lautet „Der Entwurf eines stabilen geldpolitischen Rahmens für die Zukunft“. Im Zentrum steht aber vor allem die für Freitagnachmittag (16 Uhr Europäische Zeit) geplante Rede der amerikanischen Notenbankchefin Janet Yellen. An den Finanzmärkten wird man sorgsam darauf achten, ob Yellen zumindest zwischen den Zeilen mögliche Hinweise liefert, wann in den USA die nächste Zinserhöhung geplant ist. Nach der Ende 2015 lancierten Zinswende ist ein solcher Zinsschritt in den vergangenen Monaten wiederholt auf die lange Bank geschoben worden.

Was macht das diesjährige Treffen besonders?

Derzeit ist die Erwartungsbildung über die amerikanische Geldpolitik besonders schwierig. Wie die jüngsten Protokolle des Offenmarktausschusses zeigen, stehen sich zwei Lager, welche die Lage höchst unterschiedlich beurteilen, unversöhnlich gegenüber. In den vergangenen Wochen häuften sich zudem dissonante Voten prominenter Fed-Repräsentanten. Dazu zählt auch ein kontroverser Vorschlag des Präsidenten der San-Francisco-Niederlassung, John Williams, der sich stark macht für eine Erhöhung des Inflationsziels. Yellen hat sich bisher stets gegen diese Idee ausgesprochen.