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Walkthrough

Fünf Fragen zur US-Zinswende und ein Zündholz im Pulverfass

von Lukas Sustala / 17.12.2015

Die US-Notenbank hat erstmals seit 2006 die Zinsen erhöht. Fünf Fragen zu der Entscheidung stehen am Anfang des heutigen Walkthrough im Phänomen Geld. Ansonsten geht es um die Hypo als Zündholz.

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Warum hat es so lange gedauert? Die US-Notenbank Federal Reserve hat erstmals seit 2006 den Leitzinssatz angehoben. Es war hoch an der Zeit (NZZ.at). Wie sich die Welt in den vergangenen neun Jahren geändert hat, können Sie in unserem Chartbook zur US-Wirtschaft nachvollziehen (NZZ.at).

Wie weit werden die Zinsen steigen? Erwarten Sie keine schnell steigenden kurzfristigen Zinsen in den USA. Die US-Notenbanker selbst rechnen mit vier Zinsschritten bis Ende 2016. Das dürfte auch gerade davon abhängen, wie sich die globale Konjunktur in den kommenden Quartalen entwickelt, denn bereits jetzt sind die Exporte in den USA ein Dämpfer für die Wirtschaftsentwicklung.

Wo werden die US-Zinsen in den kommenden Jahren stehen?
Wo werden die US-Zinsen in den kommenden Jahren stehen?
Schätzungen der Mitglieder des zinspolitischen Gremiums des Federal Reserve Boards
Credits: Federal Reserve

Kann die US-Wirtschaft die höheren Zinsen verkraften? Dass die US-Wirtschaft stärker wächst, ist ja der Grund, dass die Fed sich überhaupt entschlossen hat, die Zinsen zu erhöhen. Denn die Inflation alleine, sonst der Hauptgrund für steigende Zinsen, rechtfertigt auch wegen der Nebenwirkungen extrem niedriger Ölpreise einen Zinsanstieg eher noch nicht. Aber der US-Arbeitsmarkt hat sich deutlich entspannt, und das Wachstum dürfte 2016 wieder etwas höher liegen als im Vorjahr. Die Fed hat die Entscheidung daher auch als Vertrauensbeweis für den Aufschwung bezeichnet.

Mehr Wachstum, weniger Arbeitslose
Mehr Wachstum, weniger Arbeitslose

Kommt es zum Crash? Steigende Zinsen sind der Versuch von Notenbanken, den Gang der Wirtschaft und der Finanzwelt etwas zu entschleunigen. Sie könnten daher (wie beim Hochzinsanleihenmarkt) zu Turbulenzen beitragen. Zu nennen sind hier wohl vor allem Schwellenländer, die sich in der Vergangenheit stark in US-Dollar finanziert haben. Aber der angekündigte Crash wird auch bei 0,5 Prozent Leitzins nicht stattfinden. Im Gegenteil: Am Aktienmarkt waren sogar steigende Kurse die Folge der Fed-Entscheidung (NZZ).

Steigt der US-Dollar weiter? Das ist an den Finanzmärkten wohl die Hauptfrage, die aktuell gestellt wird. Der US-Dollar hat in diesem Jahr bereits kräftig gegen den Euro aufgewertet. Und da, wie NZZ-Redakteur Christof Leisinger in seiner Analyse zeigt, die Währungsmärkte die Zinsbewegungen oft vorwegnehmen, ist eine starke Aufwertung des Dollars ohne die Aussicht auf weitere baldige Zinserhöhungen vielleicht doch keine ausgemachte Sache (NZZ.at).

Eine Frage noch an die Wiener Stadtregierung. Warum ist die Angst vor dem Eigentum so groß? Zu dem Text des Autors Michael Amon über den Vorschlag, die Grundsteuer in Wien drastisch zu erhöhen, ist einem Bekannten von mir ein passendes Ronald-Reagan-Zitat eingefallen: „Government does not tax to get the money it needs; government always finds a need for the money it gets.

Josef Pröll im U-Ausschuss. Der ehemalige Finanzminister und jetzige Manager im Raiffeisen-Reich wird gerade im U-Ausschuss befragt (NZZ.at). Eine Pleite der Hypo wäre 2009 so gewesen, als würde man „ein Zündholz in ein Pulverfass“ werfen (Der Standard). Daher sei die Rettung alternativlos gewesen. Warum man das Zündholz aber nicht gleich versuchte auszublasen, sondern es brennend auf das Bundesbudget nahm, ist wohl die Frage, die die meisten interessiert.

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