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Randnotiz

Fukushima und die Anti-Atomkraft-Propaganda der deutschen Regierung

Meinung / von Lukas Sustala / 12.03.2016

Vor fünf Jahren hat ein schweres Seebeben die Region Tōhoku in Japan erschüttert. Das Beben war der Auftakt einer schweren Katastrophe, die die japanische Ostküste ereilt hat. Denn eine 10 Meter hohe Tsunami-Welle fegte über die Region hinweg und riss tausende Menschen in den Tod.

Eine weitere Folge waren eine Reihe von Nuklearunfällen in der Region, der schwerste im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. In dem Reaktor kam es zur Kernschmelze und rund 160.000 Bewohner in der Umgebung mussten evakuiert werden.

Das alles ist eine tragische Katastrophe und die Katastrophe wirkt auch fünf Jahre später noch nach.


Credits: Screenshot/Facebook

Doch die große Distanz zu den Ereignissen in Japan führt in Europa zu einer gefährlichen Verzerrung der Darstellung. Die deutsche Bundesregierung etwa postet auf ihrer Facebook-Seite ein Gedenk-Sujet mit den folgenden Worten: „Wir gedenken der Opfer der Katastrophe von Fukushima. Genau fünf Jahre ist es her, dass in Japan ein schweres Erdbeben einen Tsunami auslöste, und damit die Katastrophe im Atomkraftwerk von #Fukushima. Wir sprechen allen Angehörigen der über 18.000 Opfer unser tiefes Mitgefühl aus.“

Die „Katastrophe von Fukushima“ aber hat keine 18.000 Opfer gefordert. Sehr wohl haben das Erdbeben und der darauf folgende Tsunami tragischerweise jene rund 18.000 Tote nach sich gezogen. Das „United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation“ (UNSCEAR) kam in einem Bericht 2014 noch zu folgendem Ergebnis: „38. No radiation-related deaths or acute diseases have been observed among the workers and general public exposed to radiation from the accident. 39. The doses to the general public, both those incurred during the first year and estimated for their lifetimes, are generally low or very low.“ An diesem Bericht wurde insbesondere methodische Kritik geübt und die Schlussfolgerungen der Forscher, dass das Ausmaß der Strahlung „nur“ für Kinder schädlich ist, hinterfragt.

Klar ist: Die Nuklearkatastrophe hat breite Landstriche unbewohnbar gemacht und mehr als 100.000 Japaner sind weiterhin Flüchtlinge in ihrem Land. Die Regierung geht dabei nicht wirklich nach europäischen Maßstäben vor, soll doch deren Unterstützung dieses Jahr auslaufen. Gleichzeitig ist die Reaktorkatastrophe auch auf das Versagen der japanischen Energiepolitik und die engen Verbindungen mit den Energiekonzernen zurückzuführen.

Man mag sich als deutsche Bundesregierung entschieden haben, aus der Kernenergie auszusteigen und als Gesellschaft, das Risiko von derartigen Unfällen nicht tragen zu wollen. Das alles rechtfertigt aber nicht, so zu tun, als hätte die Reaktorkatastrophe 18.000 Opfer gefordert. Das Erdbeben und der Tsunami von Tōhoku sind schlimm genug, ohne dass man die Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi aus (umwelt-)politischem Kalkül heraus verzerrt. Man fühlt sich dann in der deutschen Regierung vielleicht besser, eine Energiewende produziert zu haben, die der schmutzigen Kohle zur Renaissance verholfen hat – aber das macht genau gar nichts besser.