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Walkthrough

Ganz ohne Politik ein 30-Milliarden-Euro-Schub für Österreich

von Lukas Sustala / 06.11.2015

Die Bank Austria könnte doch ganz bleiben, wenngleich sie nichtsdestotrotz schrumpft. Österreich hat eine Chance auf deutlich mehr Wachstum, schätzt McKinsey. Und die Zinswende lässt auf sich warten, auch in Großbritannien. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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BA bleibt doch da? So wie es aktuell aussieht, könnte die Bank Austria doch nicht teilweise verkauft werden (Wiener Zeitung). Nicht nur, dass die Bawag-Eigentümer Cerberus und Golden Tree sowie die Bank-Austria-Mutter UniCredit beim Kaufpreis zu weit auseinanderliegen. Auch wettbewerbsrechtliche Bedenken soll es geben, wollen die US-Eigentümer doch auch die Bawag verkaufen – und ein Verkauf von so vielen heimischen Einlagen in Bausch und Bogen bereitet der Aufsicht Kopfzerbrechen. Klar ist aber dennoch, dass es wohl ohne ein empfindliches Sparpaket am Wiener Standort nicht gehen wird. 12.000 Stellen will die UniCredit insgesamt abbauen, in Österreich sollen es 2.000 sein. Dabei ist es nicht nur so, dass die UniCredit sparen will, um die eigene Eigenkapitalausstattung und die Rendite hochzuschrauben. Im Privatkundengeschäft der Bank Austria steht unterm Strich nicht viel mehr als eine Null, was auch mit den schwierigen Rahmenbedingungen auf dem heimischen Bankenplatz zu tun hat (NZZ.at).

Österreichs 30-Milliarden-Euro-Chance. Die Strategieberater von McKinsey haben einen Plan für die österreichische Wirtschaft vorgelegt, wie Wachstum wieder möglich ist. Wie man es erwarten konnte, kommt das Wort Effizienz einige Male vor (44 Mal auf 132 Seiten). Aber im Kern geht es um technologische Trends wie Industrie 4.0, moderne Robotik, neue Energiesysteme, Biotech und Co., die die Wirtschaft ankurbeln sollen. Durch diese neuen Technologien sowie bessere Ausbildung und mehr Geld für Start-ups soll das österreichische BIP bis 2025 um bis zu 31 Milliarden Euro größer werden. Das entspricht einer zusätzlichen Wertschöpfung von mehr als zehn Prozent des aktuellen Bruttoinlandsprodukts (BIP). McKinsey hat die Studie nicht auf Auftrag erstellt, will aber mit dem errechneten großen Potenzial bei Unternehmen vorstellig werden. Die Analysten von McKinsey beschreiben in der Studie ein Szenario, das ganz ohne staatliche Reformen auskommt. Doch ob die Investitionslaune der Unternehmen in so einem Umfeld wirklich anspringt, wird nicht beantwortet.

Strafbare Klimaleugner? In den USA wird gegen den Ölriesen Exxon Mobil ermittelt. Die Staatsanwaltschaft von New York hat eine amtliche Untersuchung gegen die Ölgesellschaft Exxon Mobil eingeleitet (New York Times). Der Ölgigant steht im Verdacht, von den Gefahren des Klimawandels und globaler Erwärmung gewusst zu haben, ohne die Aktionäre zu informieren. Exxon ist an der Börse aktuell rund 360 Milliarden Dollar wert.

Die Tauben mit der Oberhand. Die britische Notenbank hat sich gestern von der vorsichtigen Seite gezeigt. Zinserhöhungen zeichnen sich noch länger nicht ab. Warum das so ist, lesen Sie bei NZZ-Wirtschaftskorrespondent Gerald Hosp (NZZ.at). Ein Hinweis: Es könnte auch mit dem niedrigen Ölpreis zu tun haben, dass die Zinsen niedrig bleiben: auch wenn das nicht unbedingt logisch ist. Dabei haben die Tauben – also die vorsichtigen Notenbanker – am Freitag von einigen Makrodaten erneut Recht bekommen. So ist die Produktion in Deutschland – auch wegen niedrigerer Exportnachfrage – gesunken (Bloomberg).

Erste Group mit Dividende. 2014 schrieb die Erste Group noch wegen Abschreibungen einen Rekordverlust. 2015 sollen die Aktionäre aber nicht mehr leer ausgehen, es soll eine Dividende geben, die laut Erste-Chef Andreas Treichl aus heutiger Sicht bei 40 bis 50 Cent je Aktie liegen könnte. Das hat er in einer Analystenkonferenz anlässlich der Zahlen zum dritten Quartal bekannt gegeben. Für normale Vorsorgen und Wertberichtigungen für Problemkredite muss die Erste Group 2015 weniger Geld zurücklegen als noch im Sommer erwartet. Das hat zu einem stabilen Ergebnis geführt. Den Konzern-Nettogewinn meldete die Erste für die ersten neun Monate 2015 bei 764,2 Millionen Euro. Erstmals gab es eine Prognose für das kommende Geschäftsjahr 2016: Aufgrund eines weiterhin soliden Wirtschaftsausblicks für Zentral- und Osteuropa peile die Erste eine weitere Verbesserung der Profitabilität an und rechne mit einer Eigenkapitalverzinsung von zehn bis elf Prozent.

Fusionitis, unheilbar. In einer Woche, die mit einer Milliardenübernahme im Videospiel-Bereich angefangen hat, ist es wohl ein versöhnlicher Abschluss (NZZ.at). Die Fusionswelle schwappt weiter durch die Finanzwelt. Der Pharmakonzern AstraZeneca übernimmt um 2,7 Milliarden Dollar einen Hoffnungsträger. ZS Pharma hat zwar noch keinen Umsatz, aber sein Mittel ZS-9 soll Hyperkaliämie, eine lebensgefährliche Elektrolyt-Störung, behandeln, wenn es denn von der US-Arzneimittelaufsicht genehmigt wird (FAZ).

Free Lunch – Food for Thought

„Wenn alle eine Aktie hassen, kaufen wir sie.“ (Tim Schäfer)

Ich weiß, an der Wiener Börse lief es zuletzt wirklich gut. Aber langfristig:

Varoufakis, der Ökonom und Wunderheiler (Der Standard).

Sind die Turbulenzen in China wieder vorüber?