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Geldpolitik macht Reiche noch reicher

von Michael Rasch / 22.03.2016

Kleinanleger besitzen im Vergleich mit Wohlhabenden kaum Immobilien und investieren kaum in Aktien. Doch gerade diese Anlagen profitieren von der Geldpolitik. Das dürfte die Ungleichheit verstärken.

Die herrschende Geldpolitik sorgt nicht nur über Nullzinsen und negative Realzinsen für eine heimliche Enteignung von Sparern und Rentnern, sondern bewirkt auch eine Umverteilung des Vermögens in der Gesellschaft. Dies lässt sich jedenfalls aus einem am Montag veröffentlichten Bericht der Deutschen Bundesbank herauslesen, in dem sie das Vermögen privater Haushalte in Deutschland analysiert hat. Danach konzentrierte sich der Immobilienbesitz im Jahr 2014 vor allem bei den Vermögenden. Von den 20 Prozent der Haushalte mit dem höchsten Vermögen besitzen über 90 Prozent eine selbstgenutzte Immobilie. Der Anstieg der Immobilienpreise kommt also primär den Wohlhabenden zugute.

Ähnlich verhält es sich beim Aktienbesitz, der in Deutschland nach wie vor gering ist. Laut Bundesbank besaßen 2014 gerade einmal 10 Prozent der Haushalte direkt Aktien. Bei den vermögendsten 20 Prozent lag der Anteil mit 32 Prozent jedoch deutlich höher. Auf ähnliche Zahlen ist im Jahr 2014 das Deutsche Aktieninstitut gekommen. Durch die ultraexpansive Geldpolitik der EZB (und indirekt auch der US-Notenbank) sind in den letzten Jahren vor allem Immobilienpreise und Aktienkurse in Deutschland stark gestiegen. So hat der DAX seit 2010 um 65 Prozent zugelegt.

Insgesamt ist das Vermögen zwischen Nordsee und Alpen bereits ziemlich ungleich verteilt, wie die Bundesbank feststellt. Den 10 Prozent Reichsten gehören 60 Prozent des Nettovermögens. Das durchschnittliche Nettovermögen eines Haushalts betrug 214.500 Euro (Mittelwert). Unter Ausklammerung der Extremwerte lag die Summe jedoch nur bei 60.400 Euro (Medianwert). Der maximal zwischen 0 und 100 Prozent schwankende Gini-Koeffizient (vollkommene Gleichheit bzw. maximale Ungleichheit) für das Nettovermögen betrug entsprechend 76 Prozent. In Italien lag er zeitgleich bei 61 Prozent, im Euro-Raum 2010 bei 69 Prozent und in den USA im Jahr 2013 bei 80 Prozent.

Warum Kleinanleger am wenigsten von der herrschenden Geldpolitik profitieren, zeigte Ende 2014 auch eine repräsentative Studie der GfK Marktforschung . Danach haben deutsche Anleger eine hohe Risikoaversion. Die Untersuchung offenbarte, dass sie primär in liquide, niedrig verzinste Anlagen investieren oder das Geld sogar mehr oder weniger in bar halten. So ist für 51 Prozent der Befragten das Sparbuch die wichtigste Anlage; 35 Prozent investieren in Bausparverträge und Tagesgeld. Erst danach folgen Investitionen in Fonds und Immobilien (24 Prozent). Aktien kommen dagegen nur auf 15 Prozent, wobei die Tendenz im Vergleich mit früheren Erhebungen steigend ist. In der Schweiz ist das Bild ähnlich, wie eine frühere Untersuchung der SNB zeigte, wenngleich hier die Aktienquote höher ausfällt. Doch auch die Schweizer haben den Löwenanteil ihres Nichtimmobilienvermögens in sehr niedrig verzinste Anlageformen investiert.

Viel besser diversifiziert sind vermögende Investoren, wie Studien der Johannes-Kepler-Universität Linz zeigen. Sie investieren viel stärker in Aktien sowie Rohstoffe und profitieren daher ungleich mehr von einer Geldpolitik, die in den letzten Jahren die Vermögenspreise nach oben katapultiert hat.