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Geldpolitik nach der Brexit-Entscheidung: Britische Notenbank in Lauerstellung

von Gerald Hosp / 15.09.2016

Die Bank of England belässt die Geldpolitik nach den Lockerungsmassnahmen im August unverändert. Die Notenbank traut aber den Wirschaftszahlen, die etwas besser ausgefallen sind als erwartet, nicht.

Die britische Zentralbank hatte bereits im August die Bazooka hervorgeholt, um die möglichen Folgen der Brexit-Entscheidung von Ende Juni abzuschwächen. Nach der Halbierung des Leitzinses auf 0,25% und der Erweiterung des Kaufprogramms für Anleihen bei der vorangegangenen Sitzung fuhr die Notenbank am Donnerstag keine weiteren Geschütze auf und machte keine Änderungen.

Laut den Protokollen zur Sitzung des geldpolitischen Ausschusses entwickelte sich die britische Wirtschaft nach der Brexit-Entscheidung etwas besser oder vielmehr weniger schlecht als erwartet. Die Zentralbank schätzt, dass das statistische Amt das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal auf 0,3% beziffern wird. Im August war noch eine Stagnation der Wirtschaft angenommen worden. Der Immobilienmarkt und besonders die Konsumentennachfrage zeigten sich robust. Daten und Umfragen zu Unternehmensinvestitionen deuten aber weiterhin auf Zurückhaltung hin.

Trotz einer gewissen Aufhellung hält die Bank of England weiterhin an ihrer Einschätzung zur Entwicklung der Wirtschaft vom August fest. Die Mehrheit der Ausschussmitglieder erwartet deshalb noch in diesem Jahr eine weitere Senkung der Leitzinsen in Richtung Nullgrenze. Anfang November folgt die nächste Einschätzung der Wirtschaftslage durch die Notenbank. Beobachter sprechen von einer möglichen Zinssenkung auf 0,1% zu diesem Zeitpunkt.

Die Inflationsrate stand im August bei 0,6%. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres könnte die Teuerungsrate das von der Bank of England vorgegebene Ziel von 2% aber wieder überschreiten. Die Kerninflationsrate, die die Preise für Energiegüter und Lebensmittel ausklammert, betrug im August 1,3%. Die Bank of England hat aber schon mehrfach darauf hingedeutet, einen Anstieg der Inflation als kurzfristig zu betrachten und auf die Stimulierung der Wirtschaft durch eine lockere Geldpolitik zu setzen.