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Walkthrough

Geldpolitisch geisterfahren

von Lukas Sustala / 29.10.2015

Die US-Notenbank und die europäische EZB fahren in unterschiedliche Richtungen, und der Euro fällt. Die Deutsche Bank streicht 15.000 Jobs. Und der Finanzminister vielleicht die Bankensteuer? Wie real ist der österreichische Reformstau? Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Geldpolitisches Geisterfahren. Zwei sehr unterschiedliche geldpolitische Geschenke könnte es im Dezember geben. Die US-Notenbank Fed hat gestern die Tür weit aufgemacht für eine Zinserhöhung im Dezember. Gleichzeitig deutet sich immer stärker an, dass die Europäische Zentralbank genau in die andere Richtung geht und bei ihrem letzten Treffen vor Weihnachten entweder den Einlagenzins weiter senken oder die Anleihenkäufe ausweiten könnte. Die Gemengelage sorgt am Devisenmarkt klarerweise für eines: einen starken Dollar und einen schwachen Euro.

Den ersten Zacken nach unten machte der Euro nach der Ankündigung der EZB, womöglich die Geldpolitik zu lockern, den zweiten, als die Fed nun die Tür für höhere Zinsen noch in diesem Jahr etwas aufstieß (NZZ.at, NZZ). Auch wenn die Devisenmärkte bereits zu verarbeiten suchen, dass sich die US- und die europäische Notenbank auf Konfrontationskurs befinden, ist noch nicht fix, was passiert, wenn sich die beiden wichtigsten Notenbanken in völlig unterschiedliche Richtungen bewegen. Relativ deutlich ist, dass die Schwankungen des Euro-Dollar-Wechselkurses im Jahr 2015 deutlich gestiegen sind. Wöchentliche Ab- und Aufwertungen von vier Prozent können da schnell einmal passieren.

Die Deutsche Bank wird kräftig sparen. So viel ist sicher. Die Strategie 2020 für das größte deutsche Bankhaus sieht vor allem eines vor: weniger. Weniger Mitarbeiter, weniger Umsatz, aber auch weniger Kunden. Die Bank baut 9.000 Stellen im eigenen Haus ab – und zwar über den Postbank-Abbau hinaus, 4.000 davon in Deutschland – sowie 6.000 bei externen Dienstleistern. Bis 2018 sollen noch etwa 77.000 Vollzeitkräfte für den Konzern tätig sein, aktuell sind es rund 103.000.

Dass das so ist, dürfte niemanden überraschen (NZZ.at). Nach dem Horrorquartal bis September, in dem die Deutsche Bank alleine einen Verlust von sechs Milliarden Euro gemacht hat, baut der neue CEO John Cryan das deutsche Institut kräftig um. Und wie das Deutsche-Bank-Vorstandsteam betont, wird aktuell auch Economy-Class für Flüge nach London gebucht. Das könnte aber an der „Passion to perform“ kratzen.

Bankensteuer auf dem Prüfstand. In Österreich hingegen könnte der heutige Tag in den Chefetagen von Banken eher Freudensprünge verursachen. In einem Interview mit Format gibt Finanzminister Hans Jörg Schelling Folgendes in Sachen Bankensteuer zu Protokoll: „Ich bin bereit, zu sagen: Gehen wir zurück an den Start und entwickeln wir gemeinsam etwas Neues.“ Die Geldinstitute kritisieren die Bankenabgabe immer wieder als standortschädlich und fordern ihre Abschaffung. Ab dem kommenden Jahr müssen die Banken auch einen neuen EU-Fonds zur Bankenabwicklung befüllen.

Ist der Reformstau nur Einbildung? Franz Schellhorn, Direktor der Denkfabrik Agenda Austria, hat diese Frage in einem Gastbeitrag für NZZ.at klar beantwortet. Es ist ein Widerspruch zur am Wochenende im Standard vertretenen These, dass in Österreich eigentlich eh viele Reformen angestoßen werden. Lesen Sie hier Schellhorns Widerspruch (NZZ.at): „Der allseits beklagte Reformstau ist so real wie der finanzielle Schubser bei der Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften.“ Dazu passt dann auch die Gegenrede zur jüngst gehaltenen Budgetrede des Finanzministers (NZZ.at):

So geht Handel heute. Auch in der Debatte um TTIP wird immer wieder ein falsches Bild vermittelt. Land A produziert Gut A und Land B Gut B, und die beiden handeln dann ihre Produkte miteinander. Mittlerweile sind komplexe Produkte wie Autos und Smartphone längst „Made on Earth“, produziert von multinationalen Unternehmen und Heerscharen an Zulieferern, die zusammen in immer engeren Wertschöpfungsketten miteinander verbunden sind (NZZ.at). In Österreich etwa findet ein Drittel der Wertschöpfung der heimischen Exporte im Ausland statt.

Free Lunch – Food for Thought

Das Problem des Arbeitsmarktes? Die Diskrepanz zwischen Lohnkosten und Löhnen (Die Presse).

Was sagt uns eigentlich der VIX wirklich? (EconomPic Data)

Apple sollte eigentlich eine Universität kaufen (Marginal Revolution).

Die meisten Fondsmanager sind ihr Geld nicht wert (FAZ).