Präventivschlag der Bank of England

Geldschwemme soll Schlimmstes verhindern

von Andreas Fussi / 05.08.2016

Die Bank of England schiesst aus allen Rohren, um zu vermeiden, dass der Volksentscheid für den EU-Austritt einen wirtschaftlichen Absturz nach sich zieht.

Die Bank of England hat ein umfangreiches Massnahmenpaket vorgestellt, das die Risiken für die britische Wirtschaft nach dem Volksentscheid für den EU-Austritt verringern helfen soll. Obwohl bis anhin keine harten Daten dazu vorliegen, wie sich die Konjunktur nach dem Brexit-Referendum vom 23. Juni entwickelt hat, korrigierten die Ökonomen der Zentralbank mit Blick auf die schwachen Stimmungsindikatoren ihre Prognose für das Wachstum im kommenden Jahr auf 0,8%. Im Mai hatten sie noch mit 2,3% gerechnet. Für das laufende Jahr erwarten sie nach einem starken zweiten Quartal zwar weiterhin eine Expansion von 2%. Sie fürchten jedoch eine höhere Arbeitslosigkeit, sinkende Immobilienpreise und rückläufige Investitionen der Unternehmen. Das National Institute of Economic and Social Research (NIESR) und der Internationale Währungsfonds revidierten zuletzt ihre Schätzungen für 2016 auf 1,7%.

Bondrendite und Pfund tauchen

Wie die Notenbank nach der Sitzung des geldpolitischen Komitees (MPC) mitteilt, wird der Leitzins – wie allgemein erwartet – um 25 Basispunkte auf ein historisches Tief von 0,25% gesenkt. Wenn sich die Dinge so wie im Inflationsbericht prognostiziert entwickeln, sei eine Mehrheit der MPC-Mitglieder für eine weitere Senkung des Zinses in diesem Jahr auf «nahe null, aber etwas darüber». Notenbankchef Mark Carney schloss aus, dass es zu negativen Zinsen kommen könnte. «Wie Sie vielleicht wissen, bin ich kein Fan von negativen Zinsen», sagte der Kanadier. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen (Gilts) fiel auf ein historisches Tief. Das Pfund verlor bis zu 1,6% gegenüber dem Dollar.

Die Zentralbank kündigte an, wie schon in der Finanzkrise Gilts zu kaufen und zudem erstmals auch Unternehmensanleihen zu erwerben. Der bisher nicht abgebaute Bestand soll binnen sechs Monaten um 60 Mrd. auf 435 Mrd. £ aufgestockt werden. Für Unternehmensanleihen ist ein Budget von 10 Mrd. £ über einen Zeitraum von 18 Monaten geplant. Die Bank of England habe schon einmal versucht, diesen Markt zu betreten, als sie das erste Mal Quantitative Easing betrieben habe, schreiben die Analytiker von Nomura. Dann habe sie aber festgestellt, dass sie für den kleinen und illiquiden Markt zu gross sei. Bondanleger hätten sich vor der Ankündigung vom Freitag deshalb auch wenig begeistert von der Idee gezeigt, dass es die Notenbank noch einmal versuchen könnte. Simon Ward, Chefvolkswirt von Henderson Global Investors, merkte an, dass sich die nun geplanten monatlichen Käufe gemessen am Bruttoinlandprodukt nur auf einen Drittel des 2009 erreichten Niveaus summierten.

Die Inflation als Barometer

Die Banken würden ermuntert, das niedrigere Zinsniveau an die Kunden weiterzugeben. Bankökonomen hatten die Geldpolitiker vor der Zinsentscheidung aufgefordert, lieber zu viel als zu wenig zu tun. Das Vorgehen der Bank werde dazu beitragen, das Vertrauen in die britische Wirtschaft wiederherzustellen, sagte Rain Newton-Smith, die Chefökonomin des Unternehmensverbands CBI. Jetzt komme es darauf an, dass die Regierung klare Vorstellungen und einen Zeitplan für die Verhandlungen mit der EU entwickle.

Schatzkanzler Philip Hammond begrüsste die Massnahmen der Bank of England. Es sei richtig, dass die Geldpolitik während dieser Anpassungsphase dazu genutzt werde, die Wirtschaft zu stützen, sagte er. Hammond kündigte zudem an, im Herbst entsprechende fiskalische Massnahmen vorzustellen. Die Ökonomen der Notenbank rechnen nun damit, dass der Preisauftrieb bereits im dritten Quartal des kommenden Jahres bei 1,9% liegen wird. Im Mai hatten sie noch 1,5% prognostiziert. Das MPC treibe Schindluderei mit dem Inflationsziel, wenn Stimuli beschlossen würden, obwohl man zum anderen vorhersage, dass die Teuerungsrate 2018/19 über die angestrebten 2% steigen werde, hielt Ward fest.