Goldman Sachs glänzt

von Christiane Hanna Henkel / 17.04.2015

Der Handel mit Aktien und anderen Papieren ist mit hohen Risiken behaftet und von kostspieligen Regulierungen betroffen. Entgegen dem Branchentrend hält Goldman aber daran fest. Die jüngsten Quartalszahlen könnten der Bank recht geben, schreibt NZZ-Korrespondentin Christiane Hanna Henkel aus New York.

Goldman Sachs hat sich in den letzten Jahren des Öfteren gegenüber Analysten und Investoren wegen seines beharrlichen Fokus auf das Handelsgeschäft rechtfertigen müssen. Zu risikoreich sei es und die regulatorischen Bürden seien zu hoch, so die Kritiker. Goldman Sachs hingegen hielt dagegen, investierte trotz teilweise schwierigem Geschäftsverlauf in den Bereich und die entsprechenden Kundenbeziehungen.

Blankfeins Triumph

Die am Donnerstag veröffentlichten Geschäftszahlen für das erste Quartal dürfte Konzernchef Lloyd Blankfein denn auch als seinen Triumph gefeiert haben: Das in der Geschäftssparte Institutional Client Service untergebrachte Handelsgeschäft erwirtschaftete im ersten Quartal einen um 23 Prozent höheren Ertrag als im Vorjahresquartal. Vor allem das bei Goldman Sachs starke und lukrative Handelsgeschäft mit festverzinslichen Papieren (Fixed Income, Currencies and Commodities, FICC) trug mit einem Ertragszuwachs von zehn Prozent auf 3,13 Milliarden Dollar wesentlich zum Zuwachs des Konzernertrags um 14 Prozent und des Konzerngewinns um 41 Prozent bei. Der Ertrag aus dem Handel mit Aktien legte im Quartal um 170 Prozent auf 1,12 Milliarden Dollar zu. Auch das klassische Investment Banking, vor allem die Beratung von Firmen bei Fusionen und Zukäufen sowie der Platzierung von Aktien, florierte.

Goldman Sachs’ außergewöhnlich gute Ertragslage vor allem im Handelsgeschäft wirft die Frage auf, ob diese das Ergebnis der spezifischen Unternehmensstrategie ist oder nur auf eine generell im ersten Quartal zu beobachtende Belebung des Handelsgeschäfts zurückzuführen ist. Letztere ist sicherlich hilfreich gewesen; auch Konkurrenten wie JP Morgan oder Citigroup haben für das erste Quartal vor allem im Aktienhandel gute Zahlen ausgewiesen. Möglicherweise zahlt es sich für Goldman Sachs aber nun tatsächlich aus, dass die Bank auch in schwierigen Zeiten in das Handelsgeschäft und die Kundenbeziehungen investiert hat. Generell nämlich gilt der Bereich als immer weniger zukunftsträchtig, da er aufgrund des relativ hohen Risikos mit mehr regulatorischen Auflagen belegt wird. Morgan Stanley etwa legt auch aus diesem Grund seit geraumer Zeit seinen Fokus auf das Vermögensverwaltungsgeschäft. Auch könnte der Erfolg von Goldman Sachs als fokussierte Investmentbank – so er denn anhält – als Bestätigung der These gesehen werden, dass auf wenige Geschäftsfelder konzentrierte Banken langfristig erfolgreicher sind als Universalbanken, die vom Börsengang bis zum Konsumentenkredit alles abdecken.

Fokus als Bonus

Für Goldman Sachs könnte sich der Fokus auf das Handelsgeschäft in den nächsten Quartalen doppelt auszahlen: Bei stärkerer Volatilität an den Märkten – wie im ersten Quartal zu beobachten – zieht auch das Handelsgeschäft wieder an und das möglicherweise noch verstärkt, da die Konkurrenten weniger stark „am Ball“ waren. Es wird wohl aber einige Quartale dauern, bis eindeutig wird, ob Goldman Sachs tatsächlich durch seine Konzentrationsstrategie im Handelsgeschäft besser fährt als die Konkurrenten und es somit vermag, den durch Regulierungen dem Handelsgeschäft auferlegten Malus wieder wettzumachen.