Andy Rain / EPA

Grossbritannien reibt sich die Augen: Visagebühren für Reisen nach Europa

von Andreas Fussi / 12.09.2016

Den Streit um Visa für den Personenverkehr zwischen Grossbritannien und Resteuropa hätten sich die Autoren der britischen Sitcom aus den 1980er Jahren nicht besser ausdenken können.

Wer Amber Rudd noch aus der Brexit-Debatte in Erinnerung hat, in der sie die Ausstiegsbefürworter um Boris Johnson anherrschte, wird sich verwundert die Augen reiben. Die überzeugte Europa-Befürworterin droht nach ihrem Wechsel aus dem Energie- ins Innenministerium zuwanderungswilligen EU-Bürgern künftig eine Arbeitserlaubnis abzuverlangen. Zuvor war bekanntgeworden, dass in Brüssel über ein mit den USA vergleichbares System für die Einreise aus nicht visumpflichtigen Drittstaaten nachgedacht wird. Nach dessen Einführung werden sich Briten vor Reisen auf den Kontinent womöglich online anmelden und Gebühren zahlen müssen. Eine Registrierung beim US Electronic System for Travel Authorisation (Esta) kostet 14 $.

Mit dem EU Travel Information and Authorisation System (Etias) will Brüssel eigentlich der verschärften Bedrohungslage durch den internationalen Terrorismus Rechnung tragen. Für reiselustige Briten könnte es nach dem Brexit aber wie eine Extrasteuer wirken. Rudd wollte nicht einmal ausschliessen, dass Bürger des Vereinigten Königreichs künftig für einen Trip nach Mallorca, Paris oder Venedig ein Visum beantragen und bezahlen müssen. Dafür hat ihr Ministerium einen ganz anderen Trumpf im Ärmel: Wer künftig schneller durch die Kontrollen will, könnte sich an einigen Flughäfen schon bald den Zugang zum „Fast Track“ erkaufen – für mindestens 5 £, je nach Ort auch deutlich mehr. Dann ginge auch der britische Fiskus nicht leer aus. Die einzigen Verlierer wären die Reisenden.

Die Autoren der britischen Sitcom „Yes Minister“, die in den 1980er Jahren die britische Politik auf die Schippe nahmen, hätten es sich nicht besser ausdenken können. Premierministerin Theresa May täte gut daran, die Situation nicht weiter entgleisen zu lassen. Wenig durchdachte Wortbeiträge aus allen möglichen Ministerien mit dem ständigen Verweis darauf, sich für die Gespräche mit Brüssel alle Optionen offenhalten zu müssen, sorgen für zusätzliche Verunsicherung der Bevölkerung und verbessern die Verhandlungsposition nicht.