Regis Duvignau / Reuters

Rettung von Alstom-Werk

Grotesker Denkmalschutz

Meinung / von Nikos Tzermias / 13.09.2016

In Belfort wurde die erste französische Dampflokomotive gebaut und der TGV entwickelt. Präsident Hollande sträubt sich gegen die Schliessung des dortigen Alstom-Werks.

Frankreichs Präsident Hollande hat seinem Land erneut einen Bärendienst erwiesen. Am Montag entschied er an einer Krisensitzung im Elysée, dass die Produktion von TGV-Lokomotiven in Belfort nicht eingestellt werden dürfe. Der Sozialist setzte sich über den CEO von Alstom hinweg, der wegen einer hartnäckigen Auftragsflaute die Schliessung der Fabrik angekündigt hatte. In Belfort wurde Frankreichs erste Dampflokomotive produziert und der TGV entwickelt. Die Werkschliessung mag schmerzhaft sein und als Zeichen einer beängstigenden Deindustrialisierung empfunden werden. Dennoch ist der Denkmalschutz Hollandes irrational.

Es geht um das Schicksal von 400 Arbeitnehmern, die nicht etwa entlassen werden sollen. Alstom, die in Frankreich 9000 und weltweit 30 000 Personen beschäftigt, will ihnen bis 2018 andernorts eine Stelle anbieten. Auch droht nicht das Ende des TGV. Die Aktivitäten in Belfort sollen aus Effizienzgründen vom Werk im elsässischen Reichshoffen übernommen werden. Damit will Alstom auf den schwachen Auftragseingang im Heimmarkt reagieren sowie darauf, dass ausländische Kunden darauf pochen, dass die bestellten Züge möglichst lokal produziert werden.

Umso plumper wirkt die Einmischung Hollandes. Die Intervention belegt, wie politisch tückenreich Frankreich für Firmen ist. Stossend war bereits die 20%ige Staatsbeteiligung an Alstom, auf der Hollande beharrte, als sich der vom Staat überzüchtete Industriekonzern 2014 gezwungen sah, den Grossteil des für ihn nicht mehr tragbaren Energiebereichs an General Electric abzustossen. Bedauerlich ist auch die Kritik der Rechtsopposition. Sie wirft Hollande nicht etwa vor, sich ungenügend um gute Rahmenbedingungen gekümmert zu haben, sondern moniert, dass er Alstom vernachlässigt habe. Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy brüstete sich, Alstom 2004 schon einmal gerettet zu haben.