APA/ROLAND SCHLAGER

Walkthrough

Gründerland 2.0

von Lukas Sustala / 05.07.2016

185 Millionen Euro für Start-ups. Kleine Schritte für einen New Deal. Italiens Banken vor der nächsten Krise. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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185 Millionen Euro für Start-ups über drei Jahre. Die Bundesregierung hat am Dienstag ein Start-up-Programm vorgestellt. Junge, dynamische Unternehmen sollen in den kommenden drei Jahren insgesamt mit einem Volumen von rund 185 Millionen Euro gefördert werden. Die Direktive ist klar: „Österreich soll ein Vorzeige-Gründerland werden“, sagt Vizekanlzer Reinhold Mitterlehner, und sein Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer wird ihm da wohl kaum widersprechen. Schließlich ist ja das Gründerland ein Projekt, das schon länger gehegt wird (NZZ.at). Das neue Maßnahmenpaket ist sehr breit gefächert, wie die Liste der Vorschläge zeigt (Trending Topics bietet etwa schon einen guten Überblick):

  • Akademische Spin-offs forcieren – Einrichtung von Gründungs-Fellowships
  • Förderpilot
  • 24-Stunden-Quickcheck bei Förderanfragen der FFG und aws
  • aws Business Angel Fonds mit weiteren 20 Millionen Euro dotieren
  • Stärkung der Seed-Finanzierung um weitere 20 Millionen Euro
  • aws-Garantien werden um 100 Millionen Euro erhöht
  • Patentscheck für Start-ups
  • Provisional Application nach US-Vorbild
  • Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft
  • Förderung von Lohnnebenkosten für innovative Start-ups
  • Risikokapitalprämie – Förderung von Beteiligungen an innovativen Start-ups
  • One-Stop-Shop-Gründungsprozess
  • Einführung eines Start-up-Visums im Rahmen der Rot-Weiß-Rot-Karte

Allerdings muss die Regierung mit dem neuen Maßnahmenpaket noch beweisen, dass sie ein Kernproblem junger Unternehmen – nämlich dass diese in Österreich so schnell an Wachstums- und Finanzierungsgrenzen stoßen – wirklich bekämpfen kann (NZZ.at). Zudem bleibt wohl der Knackpunkt, dass der Staat bei seinen Förderungen ja entscheiden muss, wer wirklich innovativ ist.

Kleine Schritte für den New Deal. Allerdings ist die Regierung erst in einem Bereich, bei den Start-ups, vollends von der Ankündigungs- zur Umsetzungspolitik gekommen. Bei der Vorstellung des Wirtschaftsberichts 2016 konnte die Harmonie von Kanzler und Vizekanzler kaum darüber hinwegtäuschen, dass der viel zitierte Neustart noch nicht Programm ist (NZZ.at). Einige Ankündigungen stehen noch auf wackeligen Beinen und über dem gesamten Entlastungspaket für die Wirtschaft hängt die nach wie vor unklare Finanzierungsfrage wie ein Damoklesschwert. So ist etwa nach wie vor die Bankenabgaben-Reform nicht fix (Der Standard). Auch bei der weiteren Senkung der Lohnnebenkosten ist noch nicht ganz klar, wo die Reise hingeht, oder bei der Studie, die nun für die „Effizienzreserven“ bei den Sozialversicherungen durchgeführt werden soll. Da lohnt es sich, etwa sechs Ideen für den Standort anzusehen (Agenda Austria).

Italiens Banken im Visier der Märkte. Regierungschef Matteo Renzi plane eine Finanzspritze für die Banken und gehe auf Kollisionskurs zur EU, meldeten italienische Zeitungen. Nun hat der Regierungschef dementiert. Man suche gemeinsam eine Lösung, sagte er. An der Börse sind die Zweifel aber gewachsen, ob Italien diese Lösung auch tatsächlich finden wird (NZZ.at).

Italiens Probleme sind jedenfalls nicht so einfach zu lösen, schließlich gilt es laut EZB, das hohe Volumen an faulen Krediten sukzessive abzubauen.

Ökonomen, gespalten. Die Wirtschaftspolitik in Österreich hat in jedem Fall ein ziemlich grundlegendes Problem. Bei der Abschätzung wirtschaftspolitischer Maßnahmen bekommt sie sehr widersprüchliche Meldungen, gerade von den Ökonomen, die in den verschiedenen Sozialpartnern organisiert sind. Elf Ökonomen haben im aktuellen Wirtschaftsbericht Stellung zum Standort bezogen, und haben gut ein Dutzend Meinungen abgegeben (NZZ.at).

Nach dem Brexit die Steueroase. Finanzminister Osborne hat einen ambitionierten, steuersenkenden Wirtschaftsplan als Antwort auf den Brexit parat (NZZ.at). Muss man in Europa aber einen „Steuerwettbewerb“ fürchten? (FAZ) Oder sollte man den Fehdehandschuh nicht viel mehr aufnehmen? Aus Sicht eines Steuerzahlers kann man wohl nur sagen: Bring it on!

Inspirationen – Food for Thought

Wie sich die Geburtenrate steigern lässt (NZZ.at).

Beim Öl- und Gaskonzern OMV geht es turbulent zu, und zwar im Betriebsrat. Der Machtkampf eskalierte, sodass das größte Unternehmen Österreichs nun ohne Konzernbetriebsrat dasteht (Der Standard).

Auf den (Schweizer) Anleihenmärkten liegen die Nerven blank.

Der Ökonom Fritz Breuss hat einen interessanten Text verfasst, ein Plädoyer für die Neugründung der Europäischen Union als Vereinigte Staaten von Europa (Ökonomenstimme).

Spanische Fußballklubs müssen Millionen an Förderungen zurückzahlen (NZZ.at).