Heikler Wettlauf der Schwachen

von Peter A. Fischer / 05.02.2015

Der „Währungskrieg“ gewinnt durch die jüngsten Maßnahmen der Europäischen Zentralbank an Fahrt. 

Die Aufgabe des Mindestkurses der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat Schockwellen durch die Märkte gejagt, die nachhallen. Vielen Marktteilnehmern ist plötzlich wieder ins Bewusstsein gerufen worden, dass auch Notenbanker auf Dauer nicht allmächtig sind, und sich nicht ewig gegen fundamentale Marktkräfte stemmen können. „Whatever it takes“ ist nicht „whatever“, sondern irgendwann auch ausgeschöpft – und „unbegrenzt“ heißt richtigerweise nicht blindlings grenzenlos.

Das wiedererwachte Misstrauen gegenüber nahezu festen Wechselkursen spürt nun die dänische Notenbank, deren Krone unter starken Aufwertungsdruck geraten ist. Dabei sollte die dänische Währungspolitik besonders glaubwürdig sein, bindet sie doch die Krone seit Jahrzehnten nahezu fest, zuerst an die Deutsche Mark, dann an den Euro. Den dänischen Notenbankern bleibt zwar noch Raum zur Verteidigung ihrer Währungsbindung, doch im Vergleich zur Übernahme des Euro (mit all ihren Nachteilen) und einer Wechselkursfreigabe steigen die Kosten.

Diese Kosten haben auch damit zu tun, dass die Politik der grossen Zentralbanken bedeutende Spillover-Effekte hat. Indem die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte mit neuen Wellen billigster Euro flutet, treibt sie Anleger in andere Währungen und setzt den Franken oder die skandinavischen Kronen unter Druck. Das bringt wiederum die dortigen Notenbanken dazu, ihre Zinsen zu senken. Die SNB und die Dänische Notenbank haben schon bei nominal negativen Leitzinsen Zuflucht gesucht. Die schwedische hält ihren Leitzins auf Null und hat angekündigt, am 11. Februar zu entscheiden, ob sie eine weitere Senkung oder geldpolitische Lockerungsübungen wie bei der EZB für nötig hält. Selbst die Norwegische Notenbank hat real negative Zinsen eingeführt: ihr Leitzins liegt mit 1,25% deutlich unter der dort noch immer rund 2% betragenden Inflationsrate.

Die effektiven Wechselkurse von Euro und Yen gegen ihre Handelspartner sind in zwei Jahren um zehn Prozent gefallen, jene von US-Dollar und Schweizer Franken deutlich gestiegen.

Geldpolitische Lockerungsübungen wie die Anleihenkäufe der EZB wirken inzwischen vor allem über eine Schwächung der Währung. Diese setzt andere unter Aufwertungsdruck. Darauf glauben deren Zentralbanken mit Zinssenkungen oder eigenen Lockerungs-Programmen reagieren zu müssen. Immer deutlicher droht so ein heikler Wettlauf der Schwachen. Man kann ihn auch „Währungskrieg“ nennen. Er würde nur zu weiteren Übertreibungen, Verschwendung und neuen Schockwellen führen.