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Heta-Gläubiger fallen nicht auf Schellings Bluff herein

von Lukas Sustala / 04.03.2016

Die wichtigsten Heta-Gläubiger lehnen den „Besserungsversuch“ des Bundes ab. Dieser hat ihnen zwar auf dem Papier die volle Rückzahlung ihrer Schulden versprochen, allerdings nur bis 2034. Ein Bluff, der in dem Poker nicht gut angekommen ist.

Die Heta-Gläubiger haben sich am Freitag zu dem Angebot aus Wien zu Wort gemeldet – und sie lehnen es ab. Finanzminister Hans Jörg Schelling hat ja am Dienstagabend in Frankfurt ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Man werde die Gläubiger auf Umweg einer Nullkuponanleihe zur Gänze entschädigen. Sie würden also für 100 Euro an vorrangigen Anleihen auch 100 Euro zurückbekommen – allerdings erst 2034.

Und genau hier liegt der Hund begraben.

Man muss nicht mit finanzmathematischem Fachwissen ausgestattet sein, um zu wissen: 100 Euro im Jahr 2034 sind nicht so viel wert wie 100 Euro heute. Wenn man die 100 Euro aus 2034 mithilfe des aktuellen Zinssatzes einer vergleichbaren österreichischen Anleihe in die Gegenwart holt, kommen nur 82 bis 83 Euro heraus.

Das wissen natürlich die Gläubiger – und auch die Analysten, die den Prozess begleiten.

Wie schätzen die Gläubiger, die nach eigener Aussagen über eine Sperrminorität für das Angebot verfügen, die Sache ein?

„Eine große Anzahl von Gläubigern … begrüßt die Tatsache, dass das zusätzliche Angebot erstmals die volle Abgeltung der Ansprüche der Gläubiger anerkennt. Das zusätzliche Angebot, das erst kurz vor Ablauf der Angebotsfrist veröffentlicht wurde, verfehlt das Ziel der vollen Abgeltung der Ansprüche aber nach wie vor deutlich. Denn auf Grund der momentanen Marktlage läge die Abgeltung nicht wie kommuniziert bei 100%, sondern weit darunter. Es lässt sich nicht ausschließen, dass der Marktwert der Zerobonds aufgrund der Marktgegebenheiten sogar unter dem ursprünglich angebotenen Barbetrag von 75% zu liegen kommt. Somit stellt auch das zusätzliche Angebot keine endgültige Lösung für das HETA-Problem und die von Kärnten verbürgten Schuldtitel dar. Damit ist eine Annahme von Rückkaufangebot und zusätzlichem Angebot für diese Gläubiger nach wie vor nicht vertretbar. Es darf kein Präzedenzfall geschaffen werden, bei dem Gläubiger landesbehaftete und mündelsichere Schuldtitel erwerben und nachträglich – auf politischen Druck – auf einen großen Teil ihrer Ansprüche verzichten müssen.“ (Die vollständige Aussendung gibt es hier)

Hier schwingt also viel absolute Ablehnung mit („Es darf kein Präzedenzfall geschaffen werden“). Doch im Hintergrund zeichnet sich ab, dass auch „nur“ an den Konditionen geschraubt werden könnte. Das bestätigen NZZ.at mit den Verhandlungen vertraute Personen. Denn wenn die Nullkupon-Anleihe nicht bis 2034, sondern etwa nur bis 2027 läuft, schrumpft der effektive Ausfall für die Gläubiger schon kräftig zusammen (von knapp 18 Prozent auf die Hälfte). In diese Richtung könnte das nächste Offert gehen.

Um in der Poker-Sprache zu bleiben, die diesen Deal um knapp drei Milliarden Euro an ehemaligen Hypo-Alpe-Adria-Schulden wohl am besten trifft: Die Gläubiger lassen sich so schnell nicht vom Tisch wegbluffen. Schellings Hoffnung, dass die Gläubiger lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach nehmen, zerschlägt sich gerade ziemlich. Vielleicht auch deswegen, weil sie davon überzeugt sind, die besseren Karten zu haben:


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