APA/BARBARA GINDL

Randnotiz

Hurra, die Bankomatgebühr kommt!

von Lukas Sustala / 21.04.2016

Die Hinweise verdichten sich, dass nach der „heiligen Kuh“ Bankgeheimnis auch die „heilige Kuh“ Bankomatgebühr – O-Ton RBI-Chef Karl Sevelda – geschlachtet wird. Das Thema wird in einigen Bankengruppen angesichts angespannter Ertragslage diskutiert, aktuell etwa von den Sparkassen. Was in einer normal verfassten Marktwirtschaft kaum ein Achselzucken hervorruft, gerät in Österreich zum Politikum. Die Banken wollen schließlich nur „eine ehrliche Debatte“ führen.

Mit der „ehrlichen Debatte“ in dieser Frage ist es aber genauso weit her wie bei TTIP. „Wir haben den Bank-Austria-Pensionsdeal gestoppt und werden auch in Sachen Bankomatgebühr einen Schutzwall für die Konsumenten errichten!“ Das kündigt – inklusive Ausrufezeichen – FPÖ-Konsumentenschutzsprecher Peter Wurm an. Er ist damit nicht alleine.

An der „ehrlichen Debatte“ wollen sich auch die Pensionistenvertreter beteiligen. „Zusätzliche, noch dazu völlig ungerechtfertigte, finanzielle Belastungen werden vom PVÖ bekämpft werden“, verspricht in Sachen Bankomatgebühr auch Harald Glatz, der Konsumentenschutzsprecher des Pensionistenverbands Österreich (PVÖ). Welche Preisveränderungen in Österreich ungerechtfertigt sind, das will am liebsten auch der Pensionistenverband entscheiden.

Dagegen spricht freilich die den Konsumentenschützern offenbar unwichtig scheinende Vertragsfreiheit: Wenn die Banken der Meinung sind, sie müssen Gebühren auf Bankomatabhebungen bei Geräten anderer Bankennetzwerke einheben, sollen sie doch. Diese Entscheidung obliegt alleine ihnen. Alternativ können sie defizitäre Geräte im Zuge der Filialauflassungen auch einfach abdrehen – was betroffene Kunden nicht weniger aufregen dürfte.

Die Banken haben viel zu verlieren

Die Banken wissen natürlich, was sie erwartet, wenn sie so eine Gebühr tatsächlich einführen. Das durch das Nullzinsumfeld ohnedies gespannte Verhältnis zu ihren Kunden wird noch brüchiger. Es würde den Trend zu Direktbanken verstärken, den Wettbewerb erhöhen und jungen Fintechs mit digitalen Geschäftsmodellen in die Hände spielen. Gut so.

Doch die Erfahrung der Vergangenheit lässt auch einen anderen Schluss zu. Die österreichischen Sparer sind zwar notorische Suderanten, die sich über niedrige Zinsen oder teure Finanzprodukte beschweren, aber kaum Schlüsse daraus ziehen. Jüngste Daten der OeNB zu den Finanzvermögen zeigen etwa, dass die teuren Versicherungsprodukte nach wie vor zu den beliebtesten Finanzprodukten zählen und Sparbücher nach wie vor als Wertspeicher genutzt werden, obwohl jeder weiß, dass Zinsen im Nachkommabereich das Sparvermögen in ein Wachkoma versetzen.

Die Politik soll nicht versprechen, einen „Schutzwall“ um Konsumenten zu errichten. Das hat sie viel zu oft gemacht und damit zu einer schleichenden Entmündigung beigetragen. Es wird auch künftig Banken mit günstigeren Gebührenstrukturen geben, die sich in einer Marktwirtschaft womöglich durchsetzen. Aber vielleicht hat die Bankenwelt angesichts von Bankenabgabe, Bankenrettungspaket und bundeslandeigenen Hypothekenbanken so wenig mit einer Marktwirtschaft zu tun wie das Sparbuch mit einer nachhaltigen Rendite.