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Walkthrough

Hypo-Gläubiger zeigen Kärnten und dem Bund die kalte Schulter

von Lukas Sustala / 21.01.2016

Die Gläubiger der Heta lehnen das Angebot für den Schuldenrückkauf ab. Die Europäische Zentralbank belässt die Zinsen auf einem Rekordtief, sie ist Gefangene ihrer Politik. Die Durststrecke der Deutschen Bank setzt sich fort. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Streit um Hypo zeichnet sich ab. Die Entscheidung ist wenig überraschend. Der große Gläubiger-Pool jener Investoren, die zusammen rund fünf Milliarden Euro an Heta-Schulden halten, „lehnt das einseitige Rückkaufangebot des Kärntner Ausgleichszahlungs-Fonds ab“ (OTS). Das riskante Manöver von Kärnten und dem Bund, die Gläubiger mithilfe eines neuen Gesetzes zum Verzicht auf rund drei Milliarden Euro ihrer Forderungen zu bringen, ist damit schon am Tag 1 der geltenden Angebotsfrist mehr als hinterfragenswert (NZZ.at). Dabei wäre die Annahme des Angebots ökonomisch für Österreich durchaus wichtig, denn mit dem Rückkaufangebot zu Abschlägen können sich Land und Republik knapp 3,3 Milliarden Euro ersparen (NZZ.at).

EZB, gefangen im Nullzinsumfeld. Die Europäische Zentralbank belässt die Zinsen auf dem rekordtiefen Niveau von 0,05 Prozent (NZZ). Damit dürfte nach der Entscheidung vom Dezember etwas Ruhe in die europäische Geldpolitik einkehren. Damals hat die EZB die Leitzinsen gesenkt und das milliardenschwere Ankaufprogramm mit einem Schlag um 500 Milliarden Euro ausgeweitet. Auch wenn die EZB diese Woche keine Änderung ihrer Politik vollzieht, wird sie so schnell nicht die Politik des billigen Geldes beenden können. Das geht schlicht und einfach nicht. Denn dann drohe sie jene Finanzmärkte, die sie besonders unterstützt, zu destabilisieren, warnte der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, bei einem Seminar in Wien. „Die Zentralbanken sind Gefangene ihrer Politik, und sie kommen nicht heraus, ohne den Kollaps von Märkten zu riskieren. Es gibt aus dieser Politik in Europa im Augenblick keinen Exit.“ (NZZ.at) Und so forciert Mario Draghi einfach die nächste „rhetorische Eskalationsstufe“ (NZZ).

Deutsche-Bank-Aktie im Sinkflug
Deutsche-Bank-Aktie im Sinkflug

Credits: Factset

Durststrecke für die Deutsche Bank. Am Mittwochabend hat die größte Bank Deutschlands vorläufige Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht, und diese sind tiefrot (NZZ). Das Institut wies einen Verlust nach Steuern von 6,7 Milliarden Euro aus. Belastend wirkten sich die vom neuen Chef der Bank, John Cryan, bereits zuvor bekannt gegebenen Abschreibungen auf Beteiligungen und immaterielle Vermögenswerte von 5,8 Milliarden Euro aus.

Angst bleibt hoch. Nach zweieinhalb turbulenten Wochen im neuen Jahr wurden einige negative Rekorde gebrochen. Es ist der wohl schlechteste Start in ein Aktienjahr aller Zeiten (qz). Die Angst, gemessen am Volatilitätsindex VIX, ist dementsprechend hoch, europäische und US-amerikanische Aktienmärkte handeln so tief wie seit 2014 nicht mehr (Bloomberg).

Inspirationen – Food for Thought

Wer hat Angst vor billigem Öl?

Es gibt in diesem Land jetzt eine Obergrenze. Man würde sie sich auch für andere Dinge wünschen, etwa für die Gebühreninflation oder die Staatsschulden (NZZ.at).

Es war kein Cyberangriff bei der FACC, sondern ein Betrugsfall (Die Presse).

Wenn Schengen fällt, fällt dann auch der Euro? (NZZ.at)

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