„Ich bin Warren, das ist Charlie“

von Christiane Hanna Henkel / 04.05.2015

Die Investorenlegende Warren Buffett und über 40.000 Aktionäre feierten am Wochenende 50-Jahre-Jubiläum von Berkshire Hathaway. NZZ-Korrespondentin Christiane Hanna Henkel war in Omaha und berichtet von Buffetts Versprechen, dass Berkshire noch lange nach ihm eine solide Gewinnmaschine sein werde.

„Ich bin Warren, das ist Charlie. Er kann hören und ich sehen. Zusammen sind wir ein gutes Team.“ Mit diesen Worten eröffnete der 84-jährige Warren Buffett am Samstag die Generalversammlung von Berkshire Hathaway. Damit erntete er von den in Omaha, Nebraska, versammelten Aktionären erste Lacher und Applaus. Stundenlang beantworteten er und sein Geschäftspartner, der 91-jährige Charlie Munger, Fragen von Aktionären und von ausgewählten Journalisten.

Rückversicherung als SIFI

Es herrschte eine ausgelassene Atmosphäre, schließlich feierten Buffett und die rund 40.000 ins ländliche Nebraska gereisten Aktionäre das 50-Jahre-Jubiläum des einstigen Textilherstellers, aus dem Buffett und Munger in dem halben Jahrhundert einen Konzern mit über 80 Firmen und 195 Milliarden Dollar Umsatz, weit über 300.000 Mitarbeitern und einem Börsenwert von 354 Milliarden Dollar geschmiedet haben. Aber es war natürlich nicht die Vergangenheit, die die Aktionäre interessierte, sondern die Zukunft des Konzerns. In dem Zusammenhang ist die für Berkshire derzeit wohl wichtigste und auch am Samstag gestellte Frage jene nach dem künftigen Status des Rückversicherungsgeschäfts.

Beim „Woodstock für Kapitalisten“ wird gerade auch der Investor Warren Buffett höchstpersönlich gefeiert. Gerade deswegen interessiert die Berkshire-Aktionäre die Frage nach den möglichen Nachfolgern.

Nachdem weltweit neun Erstversicherer, unter ihnen die AIG und MetLife als systemrelevant („systemically important financial institution“ oder SIFI) eingestuft worden sind, werden nun die Rückversicherer geprüft. Mit BH Reinsurance und General Re ist Berkshire ein bedeutender Spieler im Markt. Berkshire generiert knapp ein Drittel seines Gewinns mit dem Versicherungsgeschäft, den Sach- und Unfallversicherer Geico eingerechnet. Buffett jedenfalls lehnte kategorisch ab, dass Berkshire als SIFI eingestuft werde. Die Aktivitäten der Rückversicherer seien zu unbedeutend. Mehrfach verwies er auf die hohen Bargeldbestände von über 60 Milliarden Dollar. Auch blickte Buffett auf die Rolle von Berkshire in der Finanzkrise zurück. Der Konzern habe mit Kapitalspritzen für Goldman Sachs, Bank of America und General Electric zur Stabilisierung beigetragen.

Buffett nutzte die Gelegenheit zur Kritik an der amerikanischen Finanzmarktreform. Diese habe keineswegs das Finanzsystem stabilisiert. Die Dodd Frank Act habe der US-Zentralbank und dem Schatzamt wichtige Kompetenzen genommen. In einer Krisensituation aber müsse es eine vertrauenswürdige Institution geben, die die entsprechenden Kompetenzen zur Krisenbewältigung habe und der die Märkte dann auch vertrauten.

Die zweite wichtige Frage bezüglich Berkshires Zukunft betrifft die Zeit nach dem allfälligen Rückzug von Buffett aus dem Geschäftsleben. Er hat die Nachfolge intern zwar bereits festgelegt. Und im jüngsten Brief an die Aktionäre versuchte er, mit einer ausführlichen Stellungnahme zu den Vorteilen eines Konglomerats Befürchtungen bezüglich einer späteren Zerschlagung entgegenzuwirken. Dennoch kam am Samstag die Befürchtung auf, dass Berkshire später auf Betreiben eines Aktivisten-Investors aufgespalten werden könnte. Während Buffett den Aktivisten-Investoren generell eine wachsende Bedeutung attestierte, seien diese für Berkshire keine Gefahr. In zehn oder zwanzig Jahren sei der Konzern so groß, dass, selbst wenn alle Aktivisten ihre Gelder zusammenlegen würden, sie niemals einen bedeutenden Anteil an Berkshire erwerben könnten.

Tosender Applaus

Auch wenn es keineswegs sicher ist, dass Berkshire Hathaway in seiner speziellen Form sehr lange über Buffetts allfälliges Ausscheiden hinweg bestehen bleiben wird, vorerst sind der Respekt und die Verehrung für das „Orakel von Omaha“ ungebrochen. Buffett wurde am Samstag beim Ende der Generalversammlung von „seinen“ Aktionären so verabschiedet, wie er am Morgen empfangen worden war: mit tosendem Applaus.