APA/HANS KLAUS TECHT

Wettbewerbsfähigkeit

Importierte Inspiration für den Standort Österreich

von Matthias Benz / 24.11.2015

Was macht einen guten Wirtschaftsstandort aus? Die Wirtschaftskammer hat einen renommierten deutschen Ökonomen eingeladen und dabei nicht nur Antworten bekommen, die ihr gefallen dürfte, wie NZZ-Korrespondent Matthias Benz meint.

Manchmal ist ein Blick von außen hilfreich. In Österreich herrscht seit längerem eine schlechte Stimmung: Unternehmer und Fachleute beklagen, die Qualität des Wirtschaftsstandortes verschlechtere sich. Sehen das Experten von außen ähnlich? Die Wirtschaftskammer (WKÖ) wollte nun in Wien vom Ökonomen Clemens Fuest wissen, was einen guten Standort ausmache. Der Deutsche ist dafür eine gute Adresse, er wird bald von Hans-Werner Sinn die Leitung des renommierten Ifo-Instituts übernehmen.

Fuest wollte seine Einsichten – diplomatisch korrekt – nicht als Vorschläge für Österreich verstanden wissen. Aber von seinen Ausführungen ließ sich leicht ein Bogen schlagen zu Problemen, die zur herrschenden Wachstumsschwäche in Österreich beitragen. Für Fuest ist ein guter Wirtschaftsstandort ganz allgemein geprägt von wettbewerbsfähigen Arbeitskosten, von einem leistungs- und investitionsfreundlichen Steuersystem und von einer wachstumsorientierten Regulierung.

Da konnten sich Österreich-Kenner einiges dazudenken. Die Arbeitskosten? Besonders in den letzten Jahren sind die Lohnstückkosten überdurchschnittlich gestiegen. Das Steuersystem? Die Steuer- und Abgabenlast liegt besonders auf Arbeitseinkommen hoch. Bei den Unternehmenssteuern war man zwar einmal Vorreiter einer massvollen Besteuerung, aber mittlerweile ist man von Konkurrenten einge- oder überholt worden. Bei der Regulierung schließlich bezeichnete Fuest einen möglichst freien Marktzugang für neue Unternehmen als entscheidend für Wachstumsstärke.

Auch in Deutschland liege da einiges im Argen, viele Branchen-Interessengruppen verteidigten ihre Privilegien. Diplomatischer hätte man den Finger nicht in die Wunde legen können. In Österreich ist der Gastgeber WKÖ als Interessenvertretung der Wirtschaft maßgeblich dafür verantwortlich, dass es zu viele geschützte Branchen gibt.


Mehr dazu lesen Sie hier:

Österreich rutscht in Standortranking ab

Ganz ohne Politik ein 30-Milliarden-Euro-Schub für Österreich

Steuerwettbewerb könnte Österreich beflügeln