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Randnotiz

In Österreich sind auch die „Heuschrecken“ verstaatlicht

von Lukas Sustala / 06.06.2016

Wissen Sie, was Private Equity ist? Die private Beteiligung an Unternehmen durch Fonds (oftmals mit gehörigem Fremdkapitaleinsatz) gehört zum Riskantesten, was der Finanzkapitalismus angelsächsischer Prägung zu bieten hat. Zweistellige Eigenkapitalrenditen stehen auf der Tagesordnung, und umstrittene Strategien haben der Branche gerade im deutschsprachigen Raum den Beinamen „Heuschrecken“ eingebracht. Schließlich gibt es neben den Wachstumsinvestoren auch Fonds, die Unternehmen suchen, sie mit Schulden überladen und nur die Filetstücke für die eigene Rendite verscherbeln, sie also „kahlfressen“.

In den USA setzen auch Pensionskassen und die Stiftungsfonds der Eliteuniversitäten ganz stark auf diese Anlageklasse. Hedgefonds und Private Equity Fonds gelten als besonders aussichtsreiche, riskante Investments, ganz nah dran am „Unternehmertum“. In der vierten Staffel der populären Serie „Suits“ sagt ein Fondsmanager den schönen Satz: „Wir sind ein Hedgefonds. Mit weniger als 50 Prozent Rendite können wir auch Time Sharing machen und auf das Beste hoffen.“

In Österreich aber ist Private Equity – genauso wie das Risikokapital für junge wachsende Unternehmen, Venture Capital – massiv unterentwickelt. Pro Jahr werden gerade einmal etwas mehr als 100 Millionen Euro investiert. Zum Vergleich: Alleine der saudische Staatsfonds hat 3,5 Milliarden Dollar in den Fahrdienst Uber gesteckt.

Und – wie die Denkfabrik Agenda Austria mit ihrer aktuellen Grafik des Tages zeigt – die heimischen „Private Equity“-Mittel sind auch noch staatlich. Es mag den gelernten Österreicher zwar nicht überraschen, dass der Staat eine wichtige Rolle spielt. Aber immerhin drei von vier Euros im Private Equity werden von staatlichen Stellen zur Verfügung gestellt, wirklich privat sind deutlich weniger. Warum heißt es dann überhaupt „Private“ und nicht „Public“ Equity?

In Europa kommen hingegen nur fünf Prozent von staatlichen Stellen, private Investoren wie Stiftungen, Fonds, Versicherungen und Pensionsfonds machen das Gros aus – wie es sich gehört.

Die Grafik zeigt ein höchst skurriles Bild vom Finanzplatz Österreich – und die Achillesferse jeder Gründerland-, Innovations- und Wachstumsstrategie. Es mangelt vielleicht nicht an Geld in Österreich, aber an echtem Kapital.