Inflation trifft nicht alle gleich

von Lukas Sustala / 17.11.2014

Die Statistik Austria will die Inflationsmessung bürgernäher machen. Künftig soll jeder mit einigen wenigen Klicks seine „persönliche“ Inflationsmessung vornehmen können. Die Transparenz ist gut, doch das Daten-Angebot hat seine Grenzen.

Die Statistik Austria hat am Montag einen neuen Inflationsrechner vorgestellt. Der Anspruch ist stolz. Jeder Haushalt soll seine „persönliche” Inflationsrate messen können.

Mit der Maßnahme reagiert die Statistik-Behörde auf eine vielfach geäußerte Kritik an der Inflationsberechnung. Die „gefühlte“ Teuerung, die der Konsument im Börsel merkt, habe nichts mit dem Warenkorb zu tun, auf dem die offizielle Inflationsrate beruht. Besonders das Faktum, dass nur 18 Prozent der Ausgaben eines durchschnittlichen Haushalts für Wohnen und Energie draufgehen, irritiert dabei Außenstehende. Dass die unterstellten durchschnittlichen Miet- und Betriebskosten je Haushalt mit 224 Euro nur doppelt so hoch wie die Ausgaben für Alkohol und Tabak sind, lässt an der Gewichtung noch mehr zweifeln.

Ein Grund für die geringe Miete: Die Statistik berücksichtigt auch, dass es in Österreich eine Eigenheimquote von etwas mehr als 50 Prozent gibt (Link, Statistik). Doch gleichzeitig kennt niemand in einem Ballungsraum wie Wien einen Mieter oder eine Mieterin, die für ihre Wohnung inklusive Betriebskosten 224 Euro zahlen.

Dass es Interesse an einer „persönlichen Inflationsrate“ gibt, lässt sich wohl daran ablesen, dass die Statistik-Webseite zum persönlichen Inflationsrechner in den vergangenen Stunden immer wieder unter der Last der Anfragen zusammengebrochen war. Doch was kann er wirklich?

Es lässt sich mit dem Tool in jedem Fall ein Warenkorb zusammenstellen, der näher an der Realität ist als der allgemeine Verbraucherpreisindex. Doch es gibt wichtige Einschränkungen. Erstens lassen sich nur Daten seit 2007 vergleichen. Dazu kommt, dass regionale Diskrepanzen unter den Tisch fallen. Denn für die Lebenshaltungskosten ist es  nicht unwesentlich, ob man in Vorarlberg oder dem Burgenland, in Altheim oder Zwettl, wohnt. Eine derart tief gehende Analyse wird der neue Rechner auch in Zukunft nicht leisten können, bestätigt die Statistik-Behörde auf NZZ.at-Anfrage. Denn auch die zugrunde liegenden Daten, jene aus dem Verbraucherpreisindex, gehen nicht in die regionale Tiefe. Wenn sich also ein Mieter in Wien mit rasch steigenden Mieten konfrontiert sieht, kann er seine persönliche Inflation in dem Statistik-Werkzeug nicht eingeben. Er wird immer nur den österreichweiten Auftrieb bei den Mieten berücksichtigen können, der eben deutlich schwächer ist als die Wiener Entwicklung. Über die „persönliche“ Inflation lässt auch der neue Rechner im Dunkeln.

Neue „persönliche“ Inflationsberechnung bei der Statistik Austria
Neue „persönliche“ Inflationsberechnung bei der Statistik Austria
Auf der Webseite der Statistikbehörde lässt sich künftig der Warenkorb auch selbst gewichten