Interveniert die Schweizer Nationalbank wieder beim Franken? Eine Spurensuche

von Thomas Fuster / 03.02.2015

Die Statistiken zu den Giroguthaben bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) lassen den Schluss zu, dass die SNB vergangene Woche am Devisenmarkt interveniert hat. In welcher Höhe dies der Fall war, bleibt offen, wie NZZ-Wirtschaftsredakteur Thomas Fuster berichtet.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) scheint weiterhin mit substanziellen Interventionen am Devisenmarkt aktiv zu sein. Diesen Schluss lassen die am Montag veröffentlichten Statistiken zur Höhe der Giroguthaben von Geschäftsbanken bei der SNB zu. So ist der Wert dieser Franken-Sichtguthaben in der vergangenen Woche im Vergleich mit der Vorwoche um 14,8 Milliarden auf 443 Mrd. Franken gestiegen. Bereits in der Woche zuvor hatten diese Guthaben einen deutlichen Sprung nach oben verzeichnet, und zwar um 26,2 Mrd. Franken.

Die SNB liefert zwar keine expliziten Angaben zu allfälligen Interventionen am Devisenmarkt. Da solche Markteingriffe aber über das Bankensystem getätigt werden müssen, gilt ein signifikanter Anstieg der Giroguthaben als Indiz für eine absichtliche Schwächung des Schweizer Frankens durch die Währungshüter. Genaue Rückschlüsse über die Höhe und das Datum der Interventionen lassen die veröffentlichten Statistiken aber keine zu, zumal die SNB lediglich Durchschnittswerte über den Zeitraum von einer Woche angibt.

Die Devisenanlagen in Euro sind vor dem Ende des Euro-Mindestkurses im Jänner kräftig gestiegen. Die Franken-Aufwertung wird daher hohe Milliardenverluste für die Schweizer Nationalbank bedeuten. Wie hoch sie aktuell sind, darüber hat die SNB noch keine Auskunft gegeben.

Die jüngsten Anstiege der Sichtguthaben stützen die Vermutung, dass die SNB zu einer Politik des Managed Floating übergegangen ist. Gemeint ist damit ein monetäres Regime, bei dem der Wechselkurs zwar grundsätzlich frei schwankt, die Währungshüter aber dennoch ab und zu intervenieren, wobei – anders als bei einem System fester Wechselkurse – kein fixes Wechselkursziel verfolgt wird. Die SNB dürfte bei diesem Floating-Regime nicht allein das Austauschverhältnis des Franken gegenüber dem Euro im Auge behalten, sondern auch jenes gegenüber dem Dollar oder asiatischen Währungen.