Investoren lassen das Giebelkreuz fallen

von Lukas Sustala / 28.01.2015

An den Finanzmärkten ist die Osteuropabank Raiffeisen Bank International aktuell unter massivem Verkaufsdruck. Wovor die Börsianer Angst haben.

Die börsennotierte Osteuropabank Raiffeisenbank International erlebt aktuell dramatisch schlechte Tage. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 28 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Die kriegerische Auseinandersetzung in der Ukraine, die schlechte Wirtschaftslage in Russland und Zweifel von Analysten, dass Raiffeisen ausreichend kapitalisiert ist, tragen zu den Verkäufen bei.

Mittlerweile fressen sich die Verkäufe durch die Kapitalstruktur. Nicht nur riskante Aktien, auch nachrangige Anleihen von Raiffeisen sind unter massiven Verkaufsdruck geraten (etwa diese Anleihe, HT Luke Lametta). Laut Bloomberg implizieren die hohen Risikoaufschläge von Kreditausfallversicherungen (CDS) bereits eine Ausfallswahrscheinlichkeit von 70 Prozent für nachrangige RBI-Anleihen, daher schreibt Reporter Boris Gröndahl bereits von einer „Rout“, einer vernichtenden Niederlage, die die Beteiligten flüchten lässt. In nur zwei Wochen haben einige Anleihen mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren.

Ausgelöst hat die jüngste Entwicklung wohl eine Einschätzung von Investoren, dass die Zinszahlung auf eine nachrangige Anleihe vom Regulator verhindert werden könnte. „Die Märkte sind extrem besorgt, dass der Regulator einschreitet und die Zinszahlung verhindert, weil Raiffeisen schwach kapitalisiert ist“, sagt Simon Adamson, Kredit-Analyst von Creditsights in London, im Gespräch. Raiffeisen geht laut einer Sprecherin davon aus, den im Mai fälligen Kupon der Anleihe zu zahlen.

Adamson fasst die Probleme der Raiffeisen Bank International aus Sicht der Londoner City so zusammen: „RBI ist eine relativ kleine Bank, die in relativ vielen Problembereichen engagiert ist.“ Das weiteste Problemfeld ist dabei ohne Zweifel Russland. „Investoren preisen für Raiffeisen ein Worst-Case-Szenario ein“, sagt Adamson, dazu kommt, dass die Bank laut dem Kreditanalysten wegen ihrer Eigentümerstruktur schlechter als andere Banken weitere Kapitalerhöhungen durchführen könne. Daher könnte im Zweifel die Zahlung von nachrangigen Anleihen ausgesetzt werden, so das Kalkül.

Die massive Abwärtsbewegung könnte aber auch auf die schwache Liquidität zurückzuführen sein. „Diese Anleihen werden am Sekundärmarkt kaum gehandelt“, so Adamson. Daher schrecken viele Investoren davor zurück, in ein fallendes Messer zu greifen.