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Randnotiz

Ist ein Rapid-Fan auch ein guter Rapid-Investor?

von Lukas Sustala / 01.12.2015

Der SK Rapid schreibt gerade eine Erfolgsgeschichte. Doch es geht nicht um das Abschneiden in der Europa League, das mir als Wahlhütteldorfer am meisten zusagt. Sondern um Crowdfunding – die Schwarmfinanzierung, die erst durch eine aktuelle Gesetzesänderung in Österreich auf eine breitere Basis gestellt wurde. Unternehmen können sich damit direkt und im Vergleich zu früher unbürokratisch Gelder von Privaten leihen.

Rekordmeister Rapid schreibt auch in diesem Bereich Rekorde. Gerade eine Woche ist es her, dass der Fußballverein das Investing-Programm InvesTOR vorgestellt hat. Drei Millionen Euro für den Stadionbau sollen so lukriert werden. Man zahle die Zinsen lieber den Fans als den Banken. Und die Fans freuen sich offenbar auch.

Bereits 1,17 Millionen Euro wurden aufgestellt. Doch auch wenn ich ein Rapid-Fan bin, wird mir bei dem schnellen Durchbruch der ersten Millionen-Marke doch mulmig. Erstens ist wie bei jeder Begeisterung für ein Investment zu hoffen, dass jeder und jede weiß, worauf er oder sie sich da einlässt. Im Falle von Rapid gewähren die Fans/Investoren Rapid ein Nachrangdarlehen. Andere Gläubiger werden vorrangig bedient, und die Zinsen sind vom sportlichen Erfolg – dem Erreichen der internationalen Bewerbe – abhängig. Das hat eher den Charakter einer Wette, aber im Sport ist das wohl ok, denn jeder Rapid-Fan will wohl darauf wetten, dass im kommenden Jahr die Qualifikation für die Champions League möglich ist.

Auszahlungen je nach spielerischem Erfolg
Auszahlungen je nach spielerischem Erfolg

Credits: SK Rapid

Ob der Erfolg von Rapid auch ein Erfolg für die Crowdfunding-Bewegung wird, bleibt noch abzuwarten. Je mehr sich die möglichen Sparer intensiv mit der Idee auseinandersetzen, desto besser. Österreich braucht dringend abseits der Banken Finanzierungskanäle, denn die Banken stehen unter dem Regulierungsdruck. Aber wenn, dann sollte sich jeder im Klaren darüber sein, ob er als „Fan“ oder als „Investor“ bei einem Projekt dabei ist.

Ganz abgesehen davon braucht Österreich eine neue Kapitalmarktinitiative. Denn Unternehmen und Projekte abseits von Rapid, oftmals größer und langfristiger, sind darauf angewiesen, an Geld zu kommen ohne die wohl breiteste Fanbasis des österreichischen Sports zu haben.

Crowdinvesting-Projekte funktionieren, wie der SK Rapid zeigt, wenn die Marke bekannt und beliebt ist, nicht weil die Zinsen hoch oder das Projekt aussichtsreich sind.

Das reicht volkswirtschaftlich aber noch nicht als Schub für das „Gründerland Österreich“. Österreich braucht eine vernünftige Kapitalmarktpolitik, wenn es um ProspektpflichtenUnternehmen müssen mögliche Investoren über die Details des eigenen Geschäfts, der Finanzrisiken und der ausgegebenen Wertpapiere informieren. , Steuern und Aufsichtsvorgaben geht. Angesichts der vergangenen Jahre, in denen vieles verschlafen wurde, sollte es jetzt zügig gehen – also möglichst rapid.