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Geldschleuse nur wenig geöffnet

Japans Notenbank enttäuscht die Märkte

von Patrick Welter / 29.07.2016

Die Bank of Japan reicht der Regierung die Hand und lockert ihre Geldpolitik ein wenig. An den Finanzmärkten aber setzt Enttäuschung ein. Der Yen wertet auf, der Nikkei-Index fällt.

Die Bank of Japan bewahrt Ruhe und hat dem Druck der Finanzmärkte, die Geldpolitik schnell drastisch zu lockern, standgehalten. Am Freitag beschloss die Notenbank eher marginale und gezielte Massnahmen, um den nach dem Brexit-Votum der Briten gestiegenen weltwirtschaftlichen Risiken etwas entgegenzusetzen. Damit signalisiert sie zugleich Unterstützung für die Regierung. Ministerpräsident Shinzo Abe hat ein gewaltiges Konjunkturprogramm von mehr als 28 Bio. Yen (250 Mrd. Fr.) angekündigt, das das Kabinett kommende Woche beschliessen will. Der Kern der expansiven Geldpolitik der quantitativen Lockerung aber bleibt unverändert.

Märkte enttäuscht

Die Entscheidung wurde an den Finanzmärkten mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Die meisten Analysten hatten mehr erwartet. Der Yen wertete nach der Entscheidung auf, der Nikkei-Index gab deutlich nach.

Im Detail beschloss die Bank von Japan, das Ankaufvolumen von börsengehandelten Fonds (exchange traded funds, ETF) von 3,3 Milliarden auf 6 Mrd. Yen nahezu zu verdoppeln. Damit hilft die Bank direkt den Aktienbörsen auf. Zugleich verdoppelte die Zentralbank ihr Dollar-Ausleihprogramm auf 24 Mrd. $, um japanischen Firmen und Banken eine glatte Finanzierung von Auslandsaktivitäten zu ermöglichen. Dazu wird ferner eine neue Ausleihefazilität geschaffen. Interessanter ist, was die Bank nicht gemacht hat: Sie hat weder das Anleihevolumen der Staatsanleihen von 80 Bio. Yen im Jahr heraufgesetzt noch den negativen Zinssatz von minus 0,1% gesenkt. Dieser liegt seit Februar auf Teilen der Überschussreserven der Geschäftsbanken.

QE soll überprüft werden

Die Zentralbank kündigte aber für die nächste Sitzung Ende September eine grundlegende Überprüfung der quantitativen Lockerung mit negativen Zinssatz an. Damit hält die Bank sich alle Türen für eine weitere Lockerung der Geldpolitik offen, ohne sich angesichts der weltwirtschaftlichen Unwägbarkeiten festzulegen. Die Erwartungen an den Finanzmärkten auf eine drastische Lockerung können weiter blühen.

Die angekündigte Überprüfung der Geldpolitik und ihrer Wirksamkeit scheint geboten. Aktuelle Wirtschaftsdaten bestätigten am Freitag die Malaise des privaten Verbrauchs. Auch die Inflation, die Notenbankgouverneur Haruhiko Kuroda in die Höhe treiben will, spielt nicht mehr mit. Im Juni fielen die Preise den vierten Monat nacheinander, der Preisindex lag 0,5% niedriger als vor einem Jahr.

Inflation immer tiefer

Einen ähnlichen Preisverfall gab es zuletzt im Mai 2013, am Anfang des geldpolitischen Experiments der drastischen quantitativen Lockerung. Die Bank verweist zur Erklärung auf sinkende Energiepreise. Doch selbst wenn man diese herausrechnet, hat die Inflation sich seit vergangenem Sommer auf zuletzt 0,4% in etwa halbiert. Das Ziel, die Inflation auf etwa 2% zu treiben, ist in weiter Ferne.

Fast unmerklich schiebt die Zentralbank das Ziel nach hinten. In den am Freitag aktualisierten Prognosen der Bank wird eine Inflationsrate von 1,9% erst im Fiskaljahr 2018 erwartet, das im April 2018 beginnt. Für das aktuelle Fiskaljahr erwarten die Notenbanker nur noch eine Inflation von 0,1%. Das Wirtschaftswachstum soll nach den Prognosen in den Jahren bis 2018 um 1%. Das ist mehr als das inflationsneutrale Wachstumspotential, das die Bank von Japan weitaus niedriger ansetzt. Das deutet um so mehr darauf hin, dass die Bank mit der moderaten Lockerung vor allem der Regierung eine Hand gereicht hat.