Japans Notenbank will die Zinskurve steuern: Neue Variante der expansiven Geldpolitik

von Patrick Welter / 21.09.2016

Japans Notenbank senkt den negativen Zinssatz nicht weiter ab und kauft auch nicht mehr Anleihen. Doch setzt die Zentralbank sich nun auch ein langfristiges Zinsziel, um die Kapitalmärkte zu kontrollieren. Die Anleger in Tokio reagieren erfreut.

Die Bank von Japan hat dem internationalen Notenbankersprech eine neue Variante hinzugefügt. Am Mittwoch beschloss der geldpolitische Rat der Zentralbank, künftig eine „quantitative und qualitative monetäre Lockerung mit Kontrolle der Zinskurve“ zu verfolgen. Das ist das Ergebnis der grundlegenden Analyse der Geldpolitik, die in den vergangenen Wochen für heftige Spekulationen gesorgt hatte. Die Bank hatte sich zu der fundamentalen Überprüfung entschlossen, nachdem es ihr in den vergangenen Jahren nicht gelungen war, die Inflationsrate auf 2% Prozent hochzudrücken und der stabile Aufschwung ausblieb.

Geldpolitik bleibt expansiv

Im Kern will die Bank die Geldbasis weiter durch Anleihekäufe ausdehnen, um so das Zinsniveau zu drücken und niedrig zu halten. Unternehmen und Verbraucher sollen so zu Investitionen und Kreditaufnahme ermuntert werden.

Zugleich aber will die Zentralbank unter Leitung von Gouverneur Haruhiko Kuroda die Zinskurve vom kurzen bis zum langen Ende eng kontrollieren. Der kurzfristige Zins soll vorerst bei minus 0,1% fixiert bleiben, wobei die Bank die Möglichkeit einer Absenkung sich offen hält. Zugleich will die Bank den langfristigen 10-Jahreszinssatz bei etwa Null Prozent halten. Mit diesem neuen langfristigen Zinsziel überraschte die Bank die Marktteilnehmer.

Zusicherung an die Märkte

Zugleich verzichtet die Notenbank auf die konkrete zeitliche Vorgabe, innerhalb zwei Jahren eine Inflationsrate von etwa 2% zu erlangen. Sie sichert nun zu, die expansive Geldpolitik so lange beizubehalten und die Geldbasis so lange auszuweiten, bis eine stabile Inflationsrate von etwa 2% erreicht sei. Ausdrücklich erlaubt die Notenbank sich dabei, dass die Inflationsrate den Zielwert auch überschreiten kann. Mit dieser verbalen Feinjustierung gibt die Notenbank den Märkten das Signal, dass die Geldpolitik eher länger als kürzer expansiv bleiben wird.

Mit der neuen Geldpolitik zielt die Bank darauf ab, der Kritik an ihrer Negativzinspolitik die Spitzen zu nehmen. Die Fixierung der Zinskurve, so sie gelingt, soll verhindern, dass sich kurz- und langfristige Zinssätze zu sehr annähern – die Zinskurve sich abflacht, wie es im Fachjargon heisst. Im Idealfall würde dieses Manöver den Druck auf die Erträge der Geschäftsbanken verringern und so den Spielraum für mehr Ausleihungen an Unternehmen und Konsumenten vergrössern.

Börse in Tokio jubelt

An der Börse in Tokio stiegen nach der geldpolitischen Entscheidung die Aktienkurse von Grossbanken, auch weil die Zentralbank vorerst auf eine weitere Absenkung des Negativzinses verzichtete. Die Aktienindizes legten zu. Der Yen gab gegenüber dem Dollar nach.

Im Detail setze die Zentralbank die künftige Geldpolitik wie folgt fest:

■ Der Negativzins, ein Strafzins auf Teile der Überschussreserven der Geschäftsbanken, bleibt bei 0,1%. Er kann aber jederzeit geändert werden.

■ Die Bank von Japan verschafft sich mehr Flexibilität beim Ankauf von Staatsanleihen. Oberstes Ziel ist nicht mehr das Volumen der Ankäufe, sondern ein Zinssatz für Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit von vorerst etwa 0%. Weiterhin will die Zentralbank Staatsanleihen „mehr oder weniger“ im Volumen von 80 Bio. Yen (ca. 765 Mrd. Fr.) im Jahr kaufen, um die Geldbasis auszuweiten. Die konkrete Vorgabe einer durchschnittlichen Laufzeit der angekauften Anleihen aber entfällt.

■ Stattdessen will die Notenbank mit zusätzlichen Ankäufen und mit der Geldverleihung zu fixen Zinssätzen versuchen, die Zinskurve vom kurzen bis zum langen Ende eng zu steuern.

■ Die Bank von Japan gibt ferner die zeitliche Vorgabe auf, innerhalb von zwei Jahren eine Inflationsrate von 2% zu erlangen. Dieses Ziel hatte die Bank schon wiederholt verfehlt. Sie sichert nun stattdessen zu, die Geldpolitik mit Kontrolle der Zinskurve so lange wie nötig beizubehalten, bis eine Inflationsrate von 2% dauerhaft und stabil erlangt ist. Mit dieser Zusicherung ist ausdrücklich verbunden, dass die Inflationsrate den Zielwert „überschießen“ kann.

■ Die Ankäufe von börsengehandelten Aktien- und Immobilienfonds bleiben im Volumen unverändert.