Währungsfonds

Jede dritte Bank in Europa ist zu schwach

von Martin Lanz / 05.10.2016

Europas Bankensektor muss schrumpfen, meint der Internationale Währungsfonds. Zur Deutschen Bank äussert er sich kryptisch.

Der Internationale Währungsfonds (IMF) glaubt nicht, dass ein robuster Wirtschaftsaufschwung die Rentabilität aller Banken wiederherstellen wird. Eine Analyse von mehr als 280 Banken, die zusammen rund 70% der Bankensysteme in den USA und in Europa ausmachen, hat ergeben, dass in Europa rund ein Drittel des Systems mit etwa 8,5 Billionen Dollar an Aktiva strukturell zu schwach ist. In den USA dagegen wären die meisten Institute in der Lage, zu einer gesunden Rentabilität zurückzukehren.

Aufräumen im Finanzsystem

Vor diesem Hintergrund wiederholte Peter Dattels vom IMF am Mittwoch an einer Pressekonferenz die Empfehlung an den europäischen Bankensektor, das Problem der notleidenden Kredite zu lösen. Das bedürfe Anpassungen bei den Insolvenzregeln, um Zwangsvollstreckungen zu beschleunigen. Europäische Institute müssten zudem effizienter werden: Es gebe schlicht zu viele Filialen mit zu wenig Einlagen und zu viele Banken, welche höhere Finanzierungskosten als ihre Konkurrenz hätten. Schwache Banken müssten aus dem Markt ausscheiden und einige Bankensysteme müssten schrumpfen, hiess es bei der Präsentation der Analyse.

Zur spezifischen Situation der Deutschen Bank wollten sich die IMF-Vertreter nicht äussern. Im Sommer hatte der IMF in einer Analyse von Deutschlands Finanzsystem die Deutsche Bank als das Institut bezeichnet, von dem die grössten Risiken für das globale Finanzsystem ausgingen. Dattels sagte dazu am Mittwoch nur, der IMF gehe davon aus, dass die europäischen und die nationalen Behörden diese Risiken entsprechend überwachten.

Deutsche Bank im Fokus

Der IMF unterscheidet drei Kategorien von gefährdeten Banken: jene mit vielen notleidenden Krediten in den Büchern, solche, die trotz Staatshilfe auf keinen grünen Zweig kommen, und Investment-Banken, die für ihre Aktivitäten eine grosse Bilanz brauchen. Die Deutsche Bank zählt für den IMF zu letztgenannter Kategorie, wobei die Bank zusätzlich mit operationellen Risiken aus Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen habe.

Auf die Frage, ob das US-Justizdepartement mit seinen Bussendrohungen unverantwortlich agiere und unnötige Instabilität verursache, reagierte der IMF mit einem Allgemeinplatz. Es bestehe die Notwendigkeit, das Fehlverhalten von Finanzinstituten zu korrigieren, hiess es.

Dazu gehörten Anpassungen bei der Entlöhnungspraxis, aber auch eine schärfere Ahndung von Vergehen. Den Vorwurf, die amerikanische Justiz schütze die US-Banken, wies ein Vertreter des Währungsfonds zurück. Amerikanische Geldhäuser würden von ihren Behörden genauso hart, wenn nicht gar härter angefasst als ausländische.