Reuters

OPEC-Treffen in Algier

Kampf der Erdöl-Schwemme

von Werner Grundlehner / 27.09.2016

Ein Treffen der Opec-Minister in Algier und Gespräche zwischen Saudi-Arabien und Russland soll am Mittwoch endlich zu Produktionskürzungen und damit zu einem Anstieg des Erdölpreise führen. Doch die Opec-Protagonisten haben vor allem auf politischer Ebene Probleme.

Die tiefe Erdöl-Notierung macht Förderländern wie Saudi-Arabien, Iran, Russland und Venezuela schwer zu schaffen. Anlässlich der Energiekonferenz in der algerischen Hauptstadt Algier wollen die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) am Mittwoch über eine Produktionskürzung diskutieren, um höhere Erdölpreise zu erreichen.

Versorgung gefährdet

In den vergangenen zwei Jahren ist der Erdölpreis von über 100 $ pro Barrel (Fass) auf ein 12-Jahres-Tief von deutlich unter 30 $ im Januar dieses Jahres gefallen. Momentan notiert der Barrel-Preis auf knapp unter 46 $ je Fass. Vor dem Treffen machte Algeriens Energieminister Noureddine Boutarfa deutlich, dass ein Preis von unter 50 $ pro Barrel nicht tragbar sei und den Markt und die Versorgungssicherheit mittel- und langfristig gefährde. Mehr Hoffnung als auf das informellen OPEC-Treffen setzen viele Beobachter auf ein Treffen der Energieminister von Saudi-Arabien und Nicht-Opec-Mitglied Russland.

Neue Rolle für die Saudis

Im Erdöl-Poker haben Saudi-Arabien und der Iran ihre Rolle getauscht. Über Jahre waren die Saudis „Preis-Tauben“, die zugunsten eines hohen Marktanteils auch tiefe Erdölpreise in Kauf nahmen – Iran drängte aus wirtschaftlichen Gründen stets auf höhere Preise. Doch der Preiskampf den Saudi-Arabien im Jahr 2014 angezettelt hat, um die in den Markt drängenden US-Fracking-Produzenten zu verdrängen, fordert ein hohes Tribut. Der Internationale Währungsfonds (IMF) schätzt, dass der grösster Erdölförderer der Welt dieses Jahr ein Defizit von 13,5% des BIP ausweisen wird, während es beim Iran 2,5% sein werden. Der IMF geht davon aus, dass Saudi-Arabien für eine ausgeglichene Rechnung einen Erdölpreis von 67 $ benötigen würde. Die Saudis brauchten 2015 rund 115 Mrd. $ ihrer Währungsreserven, um die Effekte der tiefen Erdölpreise auszugleichen – von Januar bis Juli 2015 waren es nochmals 52 Mrd. $.

Sunniten vs. Schiiten

Auch Nigeria und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich im Vorfeld des Treffens der OPEC dafür ausgesprochen, eine Vereinbarung zur Stabilisierung des Marktes zu erzielen wenn keine Vereinbarung erzielt wird, könnte der Ölpreis laut Venezuelas Ölminister Eulogio Del Pino bis auf 20$ je Barrel fallen. Die Position der Opec wird durch interne Differenzen geschwächt. Die wichtigen Mitglieder Saudi-Arabien und Iran sind zerstritten und unterstützen beispielsweise im Krieg in Syrien unterschiedliche Seiten. Das sunnitische Saudi-Arabien befürchtet einen wachsenden Einfluss des überwiegend schiitischen Irans in der Golf-Region.

Die Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) liefern weltweit etwa ein Drittel des Rohöls und besitzen rund drei Viertel der bekannten Reserven. In den vergangenen Jahren hat das Kartell an Einfluss verloren, weil die USA neue Vorkommen mit der Fracking-Technologie erschlossen haben. Die 1960 von Saudi-Arabien, dem Iran, Irak, Kuwait und Venezuela gegründete Vereinigung hat zum Ziel, die eigenen Erdölvorkommen vor dem Einfluss westlicher Konzerne zu schützen und mit Hilfe von Förder-Absprachen die Preise zu stabilisieren.