Kollateralschaden des Öl-Crashs

von Lukas Sustala / 18.05.2015

Wie der Ölcrash die heimische OMV trifft. In Athen neigen sich Reserven und Geduld dem Ende zu. Die Bargeldgegner trommeln ihre Argumente zusammen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Athen am Abgrund. Griechenland befindet sich im Finale, wie es die Nachrichtenagentur Bloomberg formuliert. Aber es ist nicht die gute Art von Finale, in dem sich etwa Filmheld und Filmheldin endlich kitschig küssen oder die besten Fußballteams der Welt aufeinandertreffen, sondern die schlechte Form, wo Banken das Geld ausgeht. Denn griechische Banken kommen kaum mehr an die nötigen Sicherheiten, um sich über die heimische Notenbank zu finanzieren. Bereits vergangene Woche hatte die griechische Regierung nur mit Ach und Weh einen 750-Millionen-Euro Kredit beim IWF bedienen können (NZZ.at). Der Trommelwirbel in Athen wirkt dabei wie ein Kontrapunkt, erwarten Ökonomen doch diese Woche viele wirtschaftliche Daten, die belegen sollen, dass die Wirtschaft in der Eurozone wieder an Schwung gewinnt.

Die Stagnation als Sparerschreck. Die säkulare Stagnation geistert bereits länger als Worst Case durch die Gazetten. Die Aussicht, dass das Wachstum in der Eurozone und den USA als Folge der Finanzkrise, der Demografie und der dauerhaft niedrigen Investitionslaune spürbar an Dynamik verliert, wird auch die Anleger treffen (NZZ.at). Denn eine der logischen Konsequenzen ist, dass die Zinsen niedrig bleiben werden, und wenn sich die Zentralbanken noch weiter mit expansiver Geldpolitik gegen die Stagnation stemmen, könnten sie sogar noch weiter fallen.

OMV-Geschäft, abgerutscht. Die OMV hat am Montag Zahlen vorgelegt und die fallen der Ölpreisentwicklung geschuldet ziemlich schlecht aus. Die Umsätze sind im ersten Quartal mit 5,8 Milliarden Euro um 41 Prozent niedriger als im ersten Quartal 2014. Angesichts der jüngsten Ölentwicklung lässt sich aber erahnen, dass die Umsätze der OMV mit dem Ölpreis im ersten Quartal das Tal der Tränen bereits durchschritten haben. Die schlechten Ergebnisse bei der OMV und anderen Ölkonzernen ist auch die Folge des Machtkampfs auf dem Ölmarkt zwischen Saudi-Arabien und Schieferöl-Produzenten in den USA (NZZ.at).

Global tätige Banken werden immer lokaler. Das dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass finanzielle Schocks über die Grenzen schwappen, erhöhen (VoxEU).

Zentralbanken und das eine Prozent. Notenbanker entdecken die Ungleichheit (Wirtschaftliche Freiheit).

Bargeldverbot. Cash ist mittlerweile bei Ökonomen alles andere als fesch. Die deutsche Bundesregierung solle sich für die Abschaffung von Bargeld einsetzen, fordert der Wirtschaftsweise Peter Bofinger (Spiegel). In einem Interview spricht sich der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff für eine Abschaffung großer Geldscheine aus (Handelsblatt).

Alibaba angeklagt. Das chinesische Unternehmen, dessen Geschäftsmodell vom chinesischen Amazon bis zu Bezahldiensten und Kommunikationstools reicht, wird vom Unternehmen hinter Luxusmarken wie Gucci für den Verkauf von gefälschten Produkten verklagt (FT, Paywall).