Keystone/Walter Bieri

Credit Suisse

Konsequenter Umbau und ambitiöse Ziele

Meinung / von Peter A. Fischer / 21.10.2015

Eine dezidiertere Rentabilitätsorientierung mit wieder dezentraleren Strukturen sowie neues Kapital sollen die Credit Suisse auf den Erfolgspfad führen. Dabei setzt sie auf einen eigenen Weg.

Tidjane Thiam, der von außen geholte neue CEO der Credit Suisse (CS), nutzt seine Chance. Er hat in Abstimmung mit dem Verwaltungsrat der Schweizer Großbank ziemlich einschneidende Maßnahmen beschlossen. Er will dem Finanzinstitut den seit längerem ersehnten neuen Schwung geben und es vor allem profitabler machen und Komplexitäten reduzieren. Das ist auch dringend nötig, wie die Finanzergebnisse des insgesamt enttäuschenden dritten Quartals zeigen. Die CS soll in den nächsten fünf Jahren total zwischen 24 Milliarden und 25 Milliarden Franken an Gewinn generieren und davon 60 Prozent einbehalten. Zusammen mit 6 Milliarden Franken aus der soeben angekündigten mehrstufigen Kapitalerhöhung soll damit die leidige Frage nach der schmalen Kapitalausstattung vom Tisch gebracht werden. Das bedingt, dass es der Bank mit ihrem Umbau tatsächlich gelingt, wie angekündigt Kosten zu sparen und rentabler zu werden.


Credits: Suzanne Plunkett/Reuters

Dazu sind rasche und konsequente Veränderungen nötig. Die CS bringt zurzeit noch eine Marktkapitalisierung von 41 Milliarden auf die Waage, sie ist nur noch gut halb so hoch wie diejenige der UBS. Anders als von manchen erwartet, setzt Thiam nun aber nicht dazu an, die CS zu einer Kopie der UBS zu machen. Vielmehr geht es ihm offensichtlich darum, die Rentabilität zu steigern, indem sich die Bank von Aktivitäten trennt, in denen sie nicht genügend profitabel wirtschaftet, gleichzeitig aber ihre traditionellen Stärken im Investment Banking effizienter pflegt. Diese Stärken sind nicht dieselben wie bei dem großen Konkurrenten an der Bahnhofstraße.

Trennen will sich die CS von ihrer Privatbank in den USA, mit deren margenschwachem Brokerage-Geschäft sie auf keinen grünen Zweig gekommen ist. Die Investmentbank hingegen soll in den USA gestärkt werden und von dort aus global operieren, was bemerkenswerterweise auf Kosten der Londoner City gehen wird. Ähnlich wie soeben von der Deutschen Bank verkündet, will zudem auch die CS ihre Investmentbank in zwei Bereiche, globale Märkte und Handel einerseits und Investment Banking im Sinne von Beratung, Börsengängen und Unternehmenstransaktionen andererseits, aufspalten. Einige unprofitable Bereiche sollen schnell reduziert werden, andere aber die Bank für reiche Unternehmer mit globalem Fokus besonders attraktiv machen.


Credits: Martin Ruetschi/Keystone

In der Vermögensverwaltung will sich die CS anscheinend stärker als die UBS von ihrer globalen Ein-Bank-Strategie mit zentralisierten Service-Gesellschaften verabschieden. Sie setzt zu einer Regionalisierung an, welche die Bank näher zum Kunden bringen, die Strukturen vereinfachen und die Verantwortung für Kosten und Profitabilität klarer zuordnen soll. Die Schweiz wird dabei kaum verlieren. Erstens soll hier als starke Stütze unter neuer Führung eine eigenständige Schweizer Universalbank mit einem starken Standbein im Corporate Banking entstehen, von der ein Minderheitsanteil 2017 separat an der Börse kotiert wird. Zweitens wird auch das internationale Vermögensverwaltungsgeschäft außerhalb Asiens von Zürich aus geführt werden. Das wird natürlich einen adäquaten Marktzugang und eine global akzeptierte, effiziente Regulierung bedingen.

Drittens fokussieren sich Thiams Ambitionen wie erwartet auf Asien, wo die Bank enormes Potenzial und ihre Stärke darin sieht, sehr vermögende Unternehmer als Kunden zu gewinnen. All das führt zu ambitiösen Zielvorgaben zur Steigerung des operativen Gewinns vor Steuern: In Asien soll dieser bis 2018 gegenüber 2014 um mehr als 130 Prozent steigen, in der Schweizer Bank um sehr ambitiöse 40 Prozent, im internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft um über 60 Prozent. Hält man sich die in der Branche verbreiteten Klagen über Margendruck, Corporate-Governance-Kosten und Wettbewerb vor Augen, wirkt das alles andere als selbstverständlich.

Mit den nun angekündigten breiten organisatorischen, strukturellen und personellen Änderungen zeigt die CS unter Führung von CEO Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner Willen und Mut, konsequenter und radikaler als bisher alte Probleme aus dem Weg zu räumen. Es wird ein neuer, eigener Weg beschritten. Ob dieser ans angestrebte Ziel führen wird, werden erst die erwirtschafteten Ergebnisse zeigen. Die Ergebnisse von Brady Dougans altem Modell überzeugen nicht mehr. Die neue Wette gilt.