Kredit? Kapital!

von Lukas Sustala / 19.02.2015

Die EU will den Kapitalmarkt als Finanzierungskanal für Unternehmen etablieren, die US-Notenbank Fed ist furchtsam, und ein Hochfrequenzhändler will sich selbst an die Börse bringen. Ein Walkthrough zu aktuellen Geschehnissen im Phänomen Geld.

Kredit? Kapital! Die Europäische Kommission hat am Mittwoch die lange erwarteten Pläne zu einer Kapitalmarktunion präsentiert. Der britische Kommissar Jonathan Hill hat mit der Vorlage eines Grünbuchs den offiziellen Startschuss zu dem Projekt gegeben. Europas Unternehmen sollen unabhängiger von Bankkrediten werden. „Mit der Kapitalmarktunion wollen wir Mittel freimachen, die derzeit noch eingefroren sind“, sagt Hill. Damit meint der britische EU-Kommissar, dass angehäufte Ersparnisse in Europa zu selten dort landen, wo sie gebraucht werden – bei investitionshungrigen Unternehmern. Risikokapital für innovative Entrepreneurs soll durch die Kapitalmarktunion einen grenzüberschreitenden Markt bekommen.

Die EU hat dabei viel aufzuholen. In den USA finden Unternehmer ein sehr dynamisches Finanzierungsumfeld vor, wie auch die jüngste Milliarde an Dollars zeigt, die sich das Transport-Unternehmen Uber für seine Expansion via Risikokapital geholt hat. 70 Prozent der Unternehmensfinanzierung laufen in den USA über Anleihen- und Aktienmärkte ab. In Europa hingegen wenden sich Unternehmen für ein Gros ihrer Investitionen an Banken, ein Weg, der angesichts von Kapitalsorgen bei den Geldinstituten und zunehmender Regulierung mit Stolpersteinen gepflastert ist.

Bremsklotz Banken. Doch die EU-Kommission sollte sich auch eine warnende Studie zu Gemüte führen. Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Zentralbank der Zentralbanken, haben untersucht, warum ein stark wachsender Bank- und Finanzsektor schlecht für die Wirtschaft ist. Ein aufgeblähter Finanzsektor kann etwa dafür sorgen, dass forschungsintensive und für das Wachstum wichtige Sektoren zu kurz kommen, gerade auch weil sie auch im Wettbewerb um talentierte Mitarbeiter stehen.

Furchtsame Fed. Die US-Notenbanker haben keine Eile mit Zinserhöhungen. Das zeigen die Protokolle der jüngsten Zinssitzung. Investoren zerklauben die Protokolle Wort für Wort, um Hinweise auf die nächsten geldpolitischen Schritte zu finden. Das Wort „geduldig“ findet sich nach wie vor in dem Statement, weil es innerhalb der US-Notenbank so manchen Geldpolitiker gibt, der sich um den Aufschwung sorgt. Tatsächlich erwartet derzeit auch an den Finanzmärkten niemand wirklich schnell steigende Zinsen. Die langfristigen Renditen für US-Staatsanleihen signalisieren mit gerade einmal zwei Prozent keine sprunghaften Zinserhöhungen:

Wer schneller handelt als sein Schatten. Der Hochfrequenzhändler Virtu könnte bald an die Börse gehen. Im Vorjahr noch mussten die Börsenpläne abgesagt werden, im allgemeinen Medientrubel um die Praktiken von Turbohändlern durch das Buch Flash Boys. Das US-Unternehmen Virtu hat bereits im Vorjahr bemerkenswerte Dokumente zu seinem Geschäftserfolg vorgelegt, als es den Börsengang plante. Demnach hat Virtu in fünf Jahren nur an einem einzigen Handelstag Geld verloren. In den kommenden Tagen könnten neue Dokumente vorgelegt werden.

Ratingkürzung für Raiffeisen. Die RBI ist von der US-Ratingagentur Moody’s herabgestuft worden. Die jüngsten Turbulenzen und die vor zehn Tagen angekündigte Schrumpfkur könnten zu weiteren Risiken bei der Bank führen, fürchten die Bonitätswächter. Allerdings kommen die Prüfer – wie bei Ratingagenturen durchaus üblich – etwas spät mit ihrer Warnung, da sich bereits im Jänner an den Finanzmärkten erhebliche Zweifel zur Kapitalausstattung der RBI breitgemacht haben.

Weisung bei Volksbank-Ermittlungen. Rund um die verstaatlichte ÖVAG rumort es. Das Justizministerium hat dem Staatsanwaltschaft die Weisung erteilt, weiterzuuntersuchen, wie die Presse berichtet.

Beschlagnahmte Kryptowährung. Die US-Bundespolizei wird 50.000 Bitcoins im März versteigern. Sie wurden bei den Ermittlungen gegen den Schwarzmarkt Silk Road beschlagnahmt.