Gaetan Bally / Keystone

Kündigungen: Wenn Unternehmen um den heißen Brei herumreden

von Dominik Feldges / 06.10.2016

Über Restrukturierungen sprechen Firmen ungern. Dass Stellen wegfallen, wird oft nur in kaschierter Form mitgeteilt. Von „Verschlankungen“, „Straffungen“ oder „Strukturprogrammen“ ist dann die Rede.

Unternehmen betonen gerne, wie wertvoll ihnen ihre Mitarbeiter sind und was sie alles tun, um die angeblich besten Leute für sich zu gewinnen. Doch wenn sie aus Kostengründen gezwungen sind, den Personalbestand zu reduzieren, würden die meisten dies am liebsten totschweigen. Verliert nur ein kleiner Teil der Belegschaft die Arbeit, ziehen es viele Unternehmen vor, nicht einmal eine Medienmitteilung dazu zu verfassen. Die Öffentlichkeit erfährt dann, wenn überhaupt, nur davon, weil sich die Sache herumgesprochen und ein – zunächst oft lokales – Medium darüber berichtet hat. Ist der Stellenabbau größeren Ausmaßes, kommen Unternehmen jedoch nicht umhin, selbst darauf zu verweisen. Wie jeder Kommunikationsspezialist bereits zu Beginn seiner Ausbildung lernt, empfiehlt es sich, in Krisenlagen „proaktiv“ zu informieren, damit keine falschen Gerüchte aufkommen.

Allerdings werden auch Entlassungswellen meist nur in kaschierter Form bekanntgegeben. Die Verschleierungsversuche beginnen, wie zahlreiche Beispiele aus diesem und dem letzten Jahr bei Schweizer Firmen zeigen, oft schon beim Titel des Pressecommuniqués: „Zurich stellt sich für langfristigen Erfolg neu auf“, „Geplante Veränderungen“ (Von Roll), „Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen“ (Sia Abrasives / Robert Bosch), „Meyer Burger lanciert umfassendes Strukturprogramm“ oder „Dorma + Kaba gibt Zukunftsplan bekannt“. Danach wird oft des Langen und Breiten ausgeführt, wie „Kapazitätsanpassungen vorgenommen“, „Organisationen verschlankt“, „Produktionsabläufe gestrafft“ oder „Komplexitäten abgebaut“ werden – als ob die Firmen einem Wald glichen, den man dringend ausholzen muss. Wie viele Stellen tatsächlich verschwinden, wird häufig erst am Schluss oder beiläufig in ein bis zwei Sätzen angesprochen.

Fast nie ist hingegen von Menschen die Rede. Erwähnt werden „Stellen“ oder „Positionen“, die überzählig geworden sind, aber kaum „Mitarbeiter“ und schon gar nicht „Talente“. Diese sucht man dann von neuem, wenn man wieder „beweglich“, „zukunftsfähig“ oder „erfolgreich neu ausgerichtet“ ist.