Die Märkte geben Investoren kalt-warm: Zinsen unter dem Gefrierpunkt und Fusionsfieber

von Lukas Sustala / 09.04.2015

Europas Staatsanleihen liegen renditemäßig weitgehend unter der Nulllinie. Investoren stellen sich auf eine Übernahmewelle im Öl- und Gassektor ein. Die US-Notenbank ist wegen der ersten Zinserhöhung seit neun Jahren gespalten. Und der Hypo-Ausschuss startet mit Verzögerungen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Zinsen unter dem Gefrierpunkt. Die Schweiz hat erstmals eine zehnjährige Anleihe zu negativen Zinsen begeben. Anders ausgedrückt bezahlen Investoren das Land dafür, zehn Jahre lang ihr Geld parken zu dürfen. Die Geldschwemme der EZB hat einen erheblichen Teil des europäischen Staatsanleihenmarkts unter den Gefrierpunkt gedrückt, wie unser heutiges Chart des Tages (h/t Bernhard Schinwald) zeigt. In Österreich liegt die fünfjährige Staatsanleihe mit –0,05 Prozent knapp unter dem Nullpunkt. Von einem Frühlingsbeginn bei Anleihenzinsen keine Spur:

Alternative Risikokapital? Business Angel Michael Altrichter spricht über die Renditen seiner Risiko-Investitionen.

Holpriger Start für Hypo-U-Ausschuss. Weil Akten zu spät geliefert werden, hält der Fahrplan nicht. Nicht nur die für heute geplante Sitzung wird abgesagt, auch kommende Woche wird es nur einen Sitzungstag geben. Zudem sorgt die Intransparenz bei der Zeugenliste für Aufregung. 

Märkte verdauen Energiefusion. Es ist die größte Übernahme in der Ölbranche seit Jahren. Der Energiesaurier Royal Dutch Shell ist auf noch mehr Größe aus und verleibt sich den Gasproduzenten BG Group ein. Allein, die Investoren könnten am Ende von den Zusammenschlüssen recht wenig haben (Shell zahlt eine 50-prozentige Prämie). Es wiederholt sich in jedem Fall ein altes Muster im Ölsektor: Fällt der Ölpreis, fallen auch die Ölkonzerne übereinander her. Das Handelsblatt titelt daher heute mit dem „großen Fressen“:

Daten von Dealogic zeigen, dass der milliardenschwere Deal am Mittwoch das Volumen der Fusionen und Übernahmen 2015 bereits auf über 1000 Milliarden Dollar angehoben hat. Seit 2007 wurde die erste Billion im M&A-Geschäft nicht mehr so schnell erreicht. Auch andere Sektoren legen nach: In der Pharmabranche hat gestern spätabends der Generika-Hersteller Mylan ein 29-Milliarden-Dollar-Angebot für Perrigo gelegt.

Der IWF auf der Suche nach dem Systemrisiko. Auch die heimische Fondsbranche darf aufatmen: Im jüngsten Bericht des Währungsfonds zum Systemrisiko bei Investmentfonds werden nur vage Risiken geortet. Einzig das Herdenverhalten könnte das System instabiler machen. An diesem (börsen-)psychologischen Phänomen dürfte aber auch der Stresstest der Branche wenig ändern.

Geteilte US-Notenbank. Das Protokoll der jüngsten zinspolitischen Sitzung der US-Notenbank Fed zeigt, dass die US-Notenbanker uneins sind, was den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung seit Juni 2006 angeht. Einige wollen bereits im Juni eine erste Zinserhöhung, andere erst im kommenden Jahr.

Der Euro ist in einem desolaten Zustand. Tatsächlich braucht die bekannte Euro-Skulptur in Frankfurt dringend eine Renovierung.

Mexiko nutzt Europas Zinstief. Aber für Ausländer ist der Euro höchst beliebt, zumindest zum Schuldenmachen. Mexiko hat erstmals eine 100-jährige Staatsanleihe in Euro begeben.

50 Jahre Buffett und Berkshire. Beim Blicklog feiert man ein 50-jähriges Jubiläum: Die Übernahme des Textilkonzerns Berkshire durch den Investor Warren Buffett. Und stellt eine unangenehme Frage: Wieso interessieren sich die Finanzforscher so wenig für Buffetts Erfolg?

Setzt Island bald auf Vollgeld? Ein alter Reformvorschlag für das Finanzsystem erlebt im krisengeschüttelten Island ein Revival: Das Vollgeld. Es geht um die Frage: Sollen künftig nur die Zentralbanken Geld schöpfen dürfen?

Ein Algorithmus überwacht Banker. Die US-Großbank will künftig vorhersagen, welche Mitarbeiter der Bank mit Fehlverhalten Schaden zufügen könnten. Minority Report lässt grüßen.