Depression schlägt aufs Gemüt

Melancholie im frohen Griechenland

von Panagis Galiatsatos / 04.07.2016

Den sonst so lebensfreudigen Griechen ist das Lächeln vergangen. Immer mehr Firmen schließen, und immer mehr Bürger wandern aus. Die Hoffnung auf eine Verbesserung schwindet.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Griechenland hat sich während der Krise vervierfacht. 2008 gab es 178.000 Menschen ohne Arbeit, nach sieben Jahren Rezession sind es schon 872.000. Deren Aussichten, wieder eine ordentliche Arbeitsstelle zu bekommen, sind gleich null. Mit 24,5 Prozent verharrt die Arbeitslosigkeit in Griechenland auf EU-Rekordhöhe. Gutbezahlte Arbeitsplätze werden kaum geschaffen, dafür aber viele vernichtet, denn täglich werfen hundert Unternehmen das Handtuch. Die Pleitewelle hat nicht nur kleine Händler und Firmen erfasst, wie dies in den ersten Jahren der Fall war, nun müssen immer öfter auch große, traditionsreiche Häuser Konkurs anmelden.

In diesem trostlosen Umfeld erscheint die Auswanderung als letzte Option. Tatsächlich läuft seit drei Jahren ein Massenexodus aus dem krisengeplagten Land. Laut Zahlen der Zentralbank haben seit 2008 insgesamt 427.000 Griechen das Land verlassen. Es sind aber nicht nur junge, hochqualifizierte Arbeitskräfte, die dem Land den Rücken kehren. Die Hälfte der Auswanderer ist über vierzig Jahre alt. Gemessen an den 1,5 Millionen Arbeitslosen, scheinen 100.000 Emigranten pro Jahr nicht viel zu sein. Doch erstmals seit 2013 liegt die Zahl über 100.000. Bis dahin hatten viele Griechen auf eine Besserung im eigenen Land gehofft. Auswandern ist nicht leicht, vor allem für ältere Menschen nicht. Zudem ist es nicht einfach, im Ausland einen Job zu finden. Anfang der 1960er Jahre war dies noch anders.

Für Griechen, die nicht im Ausland leben können oder wollen, ist die Lage düster. (Schlecht bezahlte) Beschäftigung gibt es nur in saisonalen Sektoren. Aber auch Leute, die noch Arbeit haben, sind zunehmend verunsichert. Die Mär von einer raschen Verbesserung dank anderer Politik oder von einem heilenden Austritt aus der EU glaubt niemand mehr. Das Ende der Illusionen stimmt die Menschen melancholisch. Den sonst so lebensfreudigen Griechen ist das Lächeln vergangen.