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Walkthrough

Mit der Münze gegen das Defizit

von Lukas Sustala / 11.01.2016

Der Finanzminister hat Geld bei der Münze Österreich gesucht und 436 Millionen Euro gefunden. Chinas Aktienmarkt wird wieder einmal von Zockern erschüttert. Die EU knöpft sich Belgien vor. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Schellings Münzentrick. Die Münze Österreich dürfte bald ein bisschen ärmer sein, zumindest bilanziell. Der Finanzminister will nach einem Bericht des Standards per Gesetz die großzügigen Rücklagen der Münzpräger auflösen und sie per Sonderausschüttung ins Budget holen. Das entlastet immerhin mit knapp 436 Millionen Euro (NZZ.at): In einer Zeit knapper Kassen, einer eher knappen Gegenfinanzierung der Steuerreform und der Mehrkosten durch die Flüchtlingskrise ist das nicht wenig. Langfristig ist damit natürlich wenig gewonnen, denn im Gegenzug übernimmt die Republik zwei Milliarden Euro an Garantien, falls zu viele Sammler und Anleger gleichzeitig ihre Münzen bei der Münze Österreich einwechseln wollen. Und das strukturelle Defizit ist damit auch nicht wirklich niedriger.

Chinas Jogginghosen-Zocker. Chinas Aktienmarkt hat am Montag wieder getan, was er aktuell am besten kann: Er ist drastisch eingebrochen, der Leitindex CSI 300 hat fünf Prozent im Minus geschlossen.

NZZ-Korrespondent Matthias Müller zeigt aber in einer Reportage eindrücklich, wieso man sich vor den Schockwellen aus Shanghai vielleicht gar nicht fürchten muss. Die Börse hat für viele chinesische „Investoren“ viel mehr Casinocharakter, als europäischen Sparern oder Investoren wie Warren Buffett lieb wäre. Wenn private Zocker in Jogginghosen Chinas Börse in Aufruhr versetzen, ist das vielleicht weniger dramatisch, als wenn der US-Aktienmarkt, an dem gerade auch die angesparten Pensionsvermögen veranlagt werden, zur Talfahrt ansetzt.

Aber dass die chinesischen Behörden auf dem Renminbi-Markt in Hongkong offenbar gegen Spekulationen vorgehen, zeigt, dass die Anpassungen auf dem chinesischen Kapitalmarkt noch nicht vorüber sind.

Wien als No-„Go“-Zone? E-Autos sind nicht nur bei der jüngst stattgefundenen Konsumentenelektronikmesse (CES) ein heißes Thema gewesen. Als Antwort auf die Herausforderungen des Klimaschutzes werden sie politisch gefördert und von der Autoindustrie nicht zuletzt wegen strengerer Abgasnormen als Zukunft gesehen. Doch wer in Wien ein Elektroauto fährt, muss lange nach einer Ladestation suchen (NZZ.at). Im öffentlichen Raum gibt es praktisch keine, und das mit politischer Absicht. Währenddessen macht etwa der Autoproduzent Tesla mit einem neuen Software-Update von sich reden, das automatisches Einparken ermöglicht (FT).

EU knöpft sich Belgien vor. Großkonzerne sollen in Belgien nach dem Willen der EU-Kommission 700 Millionen Euro an Steuern nachzahlen. 35 Firmen haben laut den Wettbewerbshütern unzulässige Steuervorteile erhalten (NZZ). Namen von betroffenen Firmen nannte die EU vorerst nicht. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte lediglich, es gehe „um eine große Vielfalt von Branchen“. Dem Vernehmen nach gehören zu den Konzernen unter anderem der Brauereikonzern AB InBev und der Tabakkonzern British American Tobacco.

Firmeninsolvenzen gehen zurück. Zwei der drei großen Kreditschutzverbände in Österreich – Alpenländischer Kreditorenverband (AKV) und Kreditschutzverband (KSV1870) – haben ihre endgültigen Insolvenzstatistiken für das vergangene Jahr vorgelegt. Die Zahlen weichen zwar geringfügig voneinander ab, beide Verbände sehen aber ein Minus von rund fünf Prozent aller eröffneten und abgewiesenen Firmenpleiten gegenüber 2014 auf rund 5.200. Die positive Entwicklung wird von dem Faktum überschattet, dass Unternehmen zuletzt die Zukunft eher negativ einschätzten (NZZ.at).

Weltmeister beim „Im-Spital-Liegen“. Aus unserem Schwerpunkt zu Allgemeingütern. Gesundheit ist wohl das höchste Gut. In Österreich ist Gesundheit vor allem ein öffentliches Gut. Die Bedeutung der Bundesländer bei der Krankenhausfinanzierung und der Planung im stationären Sektor hat aber dazu beigetragen, dass es im System krankt (NZZ.at). Die Formel: Wer nicht zahlt, schafft an, birgt eben immer gewisse Probleme. Und so überrascht die Kritik von Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger nur wenig, dass im Gesundheitswesen zu wenig auf die Wirtschaftlichkeit geachtet wird (Die Presse): „Die Österreicher sind Weltmeister beim Im-Spital-Liegen.“

Inspirationen – Food for Thought

Kaufen Sie sich Ihre Steuerentlastung doch selber! (NZZ.at)

Wenn Flüchtlinge zu erfolgreichen Gründern werden (SZ).

Prognosen: Notwendiges Übel.

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