APA/HELMUT FOHRINGER

Walkthrough

Mit ein paar Tricks vom Milliardenminus zum Nulldefizit

von Lukas Sustala / 25.11.2015

Ein Eiertanz um Milliarden und Prozente. Anzeichen für einen tiefen Einschnitt bei der Bank Austria verdichten sich. Bei der Heta soll es schnell(er) gehen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Zahlenspiele ums Budget. Heute wird im Nationalrat das Sozialkapitel des Budgets debattiert. Es ist der größte Ausgabenposten des Haushalts, und er sorgt naturgemäß auch für die meisten Diskussionen. Die hohe Arbeitslosigkeit und die Kosten der Flüchtlingskrise sorgten dabei für viel Zündstoff. Dabei sorgen die Regierungsparteien mit einem statistischen Eiertanz noch einmal für Konflikte (NZZ.at). Denn das versprochene Nulldefizit gilt zwar in einem engen, ökonomischen Konzept, aber in Wahrheit klafft im Budget ein Milliardenloch. Es ist aber leicht möglich, die Zahlen so lange zu massieren, bis sie weniger schlecht ausschauen. So wird aus einem Defizit eben ein Nulldefizit oder gar ein Überschuss. Man muss nur genug rausrechnen.

Kahlschlag im dichten Filialnetz? Bei der Bank Austria sieht es ganz danach aus. Kolportierte Pläne zur Umstrukturierung der Bank sehen im Falle eines Verkaufs an die Bawag PSK immerhin den Verlust von 4.400 Arbeitsplätzen vor (Vollzeitäquivalente, FTE). 9.300 Beschäftigte zählt die Tochter der italienischen UniCredit in Österreich. Doch auch der „Plan B“ klingt wenig erbaulich: „Laut Wohlinformierten sollen von den rund 220 Filialen 80 bis 100 geschlossen werden, hauptsächlich im Wiener Raum. Das würde rund 1.500 Jobs (FTE) vernichten.“ (Der Standard) So oder so, die Bank Austria steht vor kräftigen Einschnitten, insbesondere weil der Bankensektor vor einem massiven Umbruch steht, wie wir zuletzt in unserem Podcast erörtet hatten (NZZ.at).

Logisch, aber heikel. Die dritte Säule der Bankenunion, die gemeinsame Einlagensicherung, ist zwar an sich eine logische Ergänzung der europäischen Antwort auf die Finanzkrise. Aber solange nicht die Länder gemeinsame Regeln zum Umgang mit den Risiken auf den Bankbilanzen haben, ist die Einlagensicherung äußerst heikel (NZZ.at).

Der neue 20-Euro-Schein ist ab heute in Umlauf. Er ist das vielleicht klarste Beispiel dafür, dass es so schnell mit dem Bargeld nicht zu Ende sein dürfte. Ökonomen und Politiker fordern zwar immer öfter die Abschaffung oder Begrenzung des Bargeldes, doch politisch durchsetzbar scheint das abseits einiger weniger Länder wie Schweden nicht. Denn wie wir wissen: Bargeld ist in vielen Anklagepunkten seiner Gegner unschuldig (NZZ.at).

Steuern sparen ganz groß. Als unpatriotisch, abscheulich und verräterisch haben amerikanische Präsidentschaftskandidaten den Zusammenschluss von Pfizer und Allergan zu einem neuen, in Irland steueransässigen Pharmakonzern bezeichnet. Denn mit dem Deal vermeiden die beiden Großkonzerne vor allem das Bezahlen von US-Steuern (NZZ). Das ist ein Weckruf für Washington. Insgesamt könnten sich die beiden Konzerne 21 Milliarden Dollar sparen. Knapp 240 Milliarden Dollar sollen aus den Gewinn- und Unternehmenssitzverschiebungen dem Fiskus entgehen (FT, €).

Heta könnte auch vor Mai 2016 abgewickelt werden. Im März 2015 hat die Finanzmarktaufsicht als Abwicklungsbehörde ein Schuldenmoratorium über die Heta verhängt. Die Nachfolgeorganisation der verlustreichen Hypo Alpe Adria darf seitdem keine Schulden mehr zurückzahlen. „Vor Ende Mai wird man von uns noch etwas hören“, sagte FMA-Vorstand Helmut Ettl am Dienstagabend vor Journalisten und meinte damit: Die Gläubiger werden deutlich früher als im Mai wissen, wie hoch der Schuldenschnitt ausfallen wird, die Behörde wolle „so früh wie möglich“ fertig sein.

Stellenabbau im Banking II. Auch außerhalb des österreichischen Bankenplatzes sparen die Banken beim Personal. Die Deutsche Bank in Frankfurt hat etwa ein massives Sparpaket angekündigt (NZZ.at). Vom Stellenabbau sind die beiden Österreich-Standorte Wien und Salzburg aber nicht betroffen. „Es gibt kein Programm zu Veränderungen im Personalbereich“, sagte der Sprecher der Deutschen Bank in Österreich, Tim Oliver Ambrosius, am Mittwoch auf APA-Anfrage. An den beiden Österreich-Standorten beschäftigt die Deutsche Bank rund 120 Leute.

Free Lunch – Food for Thought

Die EZB und die Politik in Zeiten der niedrigen Zinsen (Bruegel).

Bloomberg berichtet heute über die Volkswirtschaften mit der höchsten Ungleichheit.

Die EZB warnt vor den Finanzrisiken außerhalb der Eurozone (EZB).

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