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Walkthrough

Mit fünf Milliarden gegen Kärnten

von Lukas Sustala / 16.12.2015

Die Gläubiger der Heta rasseln mit den Säbeln. Die Welt hat sich dramatisch geändert, seitdem die US-Notenbank das letzte Mal die Zinsen erhöht hat. Die Inflation in Österreich ist auf einen Tiefstand gefallen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Fünf Milliarden Euro gegen Kärnten. Dem Bundesland und dem Bund stehen seit heute eine Allianz an Gläubigern gegenüber, die sich gegen einen Schuldenschnitt zur Wehr setzen und ein gemeinsames Lock-Up vereinbart haben. „Die Parteien dieser Vereinbarung halten und/ oder kontrollieren Schuldtitel im Nennwert von EUR 5,11 Milliarden, so dass sie nach ihrer Ansicht weit mehr als ein Drittel des kumulierten Gesamtnominalen der vom Bundesland Kärnten und/ oder der Kärntner Landes- und Hypothekenbank-Holding (Kärntner Landesholding) besicherten Schuldtitel repräsentieren. Ein Angebot unter par spiegelt nicht die Kärntner Vermögenswerte und Schuldentragfähigkeit wider.

Unter den Gläubigern sind private Investoren wie die US-Fondsgesellschaft Pimco, die deutsche Commerzbank, aber auch der deutsche Einlagensicherungsfonds. Bereits im März hat die Finanzmarktaufsicht ein Schuldenmoratorium über die Heta verhängt, seit damals werden keine Schulden mehr bedient (NZZ.at). Die Kärntner Finanzlandesrätin reagiert sehr knapp auf das verkündete Lock-Up. Die FPÖ plädiert, dass das Land einen Plan B suchen müsse. Es zeichnet sich ab, dass der anvisierte Rückkauf von Heta-Anleihen durch Kärnten die Steuerzahler vielleicht weniger gut vor Mehrkosten schützen wird als erhofft.

Fed im Fokus. Die US-Notenbank wird erstmals seit 2006 die Zinsen anheben, wenn man den Erwartungen von Analysten und Ökonomen glauben darf. Alles, was Sie über die erste Zinsanhebung in fast einer Dekade wissen müssen, haben wir in unserem aktuellen Chartbook untersucht (NZZ.at). Tatsächlich dürfte die US-Notenbank relativ alleine mit ihrem Zinsschritt bleiben, denn anderswo stehen die Zeichen aktuell kaum auf Zinserhöhung.

Selten war die Entscheidung einer Notenbank medial so im Zentrum wie diese. Und es ist ein allgemeines Zeichen für die nach wie vor bestehende Abhängigkeit der Finanzmärkte von dem billigen Geld aus Washington und Frankfurt, dass zwar kaum über Profitabilität von Unternehmen geredet wird, aber viel über die Leitzinsen.

Armsparen made in Österreich. Apropos Zinsen. Dass die in Österreich noch länger niedrig bleiben dürften, darf als relativ ausgemacht gelten. Schließlich hat die europäische Zentralbank gerade erst die Zinspolitik gelockert. Die österreichischen Sparer aber haben sich in den vergangenen Jahren vor allem eines zu Schulden kommen lassen: Sie haben viel zu konservativ angelegt und damit weitgehend durch die Finger geschaut, wie eine aktuelle Studie zeigt (NZZ.at). Dank der relativ hohen Inflationsrate in Österreich stehen dann hierzulande unterm Strich die niedrigsten realen Renditen von allen untersuchten Ländern bei den Haushalten: „Armsparen für Fortgeschrittene“ nennt man das bei der Allianz, die die Studie erstellt hat.

Weniger Inflation. Zumindest bei der Inflation haben die Sparer ein bisschen mehr zu lachen. Während die jährliche Inflation im November in der EU und im Euroraum auf 0,1 beziehungsweise 0,2 Prozent gestiegen ist, fiel sie in Österreich mit 0,5 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2009.

Wer unter dem billigen Öl leidet. Diese Woche waren mehrfach die niedrigen Ölpreise Thema im Phänomen „Geld“. NZZ-Korrespondentin Christiane Hanna Henkel hat sich angesehen, wie die niedrigen Preise Ölunternehmen in den USA an den Rand der Wirtschaftlichkeit bringen (NZZ.at).

Palmers wieder in österreichischen Händen. Der traditionsreiche Wäschekonzern Palmers gehört künftig wieder Österreichern. Die bisher beteiligten Investmentfonds stoßen ihre Anteile ab, eine heimische Investorengruppe übernimmt die Palmers Textil AG zur Gänze. Marc Wieser und seine Brüder Tino und Luca haben gemeinsam mit Gernot Friedhuber und weiteren Investoren zugeschlagen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Food for Thought – Free Lunch

Offenbar absolutes Chaos in den Handelsräumen der Banken im Vorlauf der US-Zinsentscheidung. Fight Clubs, Sleep Deprivation and Angst: Traders Await Fed (Bloomberg)

Griechenlands anderes Defizit (Project Syndicate).

Zum Abschied:

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