Stefan Wermuth / Reuters

Neues britisches Atomkraftwerk

Mit Subventionen gepflasterter Gigantismus

von Gerald Hosp / 15.09.2016

Nach der Genehmigung des Atomkraftprojekts Hinkley Point C durch London herrschte nach aussen rundum Zufriedenheit. Diese hat aber einen hohen Preis.

Das Festzelt war Ende Juli schon aufgestellt, Ehrengäste waren bereits auf dem Weg. Aus der Party wurde aber nichts. Die neue britische Regierung überraschte den französischen Energiekonzern EDF mit der Meldung, nochmals wegen des Atomkraftprojekts Hinkley Point über die Bücher zu gehen. Der Verwaltungsrat von EDF hatte nur Stunden davor die Investitionen für das Projekt genehmigt. Ein paar Wochen später sieht es anders aus. London winkt das Vorhaben durch, das ab dem Jahr 2025 gut 7% des Strombedarfs decken soll. Alle sind zufrieden: die Franzosen, deren chinesische Partner sowie die britische Regierung, die Sicherheitsbedenken vortrug und einen diplomatischen Eklat verhinderte.

Die Zufriedenheit hat einen hohen Preis. Kernpunkt der Kritik ist die Abmachung Londons, dem Konsortium einen während 35 Jahren jährlich mit der Inflation steigenden Absatzpreis zu garantieren, der rund doppelt so hoch wie der derzeitige Marktpreis ist. Der Preis für Hinkley Point ist international gesehen hoch. London übernimmt dabei das Risiko für den Strompreis, EDF die Finanzierung und das Ausführungsrisiko. Ironischerweise ist das Projekt auch innerhalb der hochverschuldeten EDF-Gruppe umstritten. Barclays rechnet vor, dass das Kraftwerk auch mit einer Bauverzögerung von vier Jahren und einer Kostenüberschreitung von 25% profitabel ist. Die Franzosen halten aber an einem komplexen Reaktortyp fest, der bereits bei derzeitigen Projekten Verzögerungen mit sich bringt. Die Ausgangslage ist klar: Grossbritannien muss älter werdende Kraftwerke ersetzen und will den CO2-Ausstoss reduzieren. Der mit Subventionen gepflasterte Weg des Gigantismus ist aber falsch. Günstigere Atomkraftprojekte, flexible Erdgas-Kraftwerke, mehr Verbindungsleitungen zwischen der Insel und dem übrigen Europa sowie die Nutzung billiger werdender erneuerbarer Energien sind besser als eine Bindung für Jahrzehnte.