APA/HERBERT NEUBAUER

Bonität

Nach 4 Jahren Stagnation ist Österreich aus dem AAA-Spitzenfeld gefallen

von Lukas Sustala / 25.06.2016

Die Ratingagentur Moody’s hat Österreich das AAA-Rating entzogen, als letzte der großen Bonitätsagenturen. Wie die Analysten ihre Entscheidung begründen und welche Lehren die Regierung daraus ziehen sollte.

Es ist in der Panik nach dem Brexit etwas untergegangen. Aber am Freitag Abend hat die US-Ratingagentur Moody’s der Republik Österreich die Spitzenbonität AAA entzogen. Moody’s war die letzte der „großen drei“ Agenturen nach S&P und Fitch, die Österreich nicht mehr im Spitzenfeld der Schuldnerqualität sieht.

Und der Grund ist ganz einfach umrissen, wie die Analysten von Moody’s ausführen:

1. The weakness in Austria’s medium-term growth prospects, despite the government’s efforts to address the economy’s structural constraints; and
2. The challenges that low economic growth poses for a material, sustained reduction in Austria’s high government debt burden over the medium term.

Nun sollte man die Entscheidung der Bonitätswächter nicht überinterpretieren. Die Ratingagenturen haben in der Finanzkrise bewiesen, dass sie sehr spät auf längst stattgefundene Trends reagieren. Zudem zahlt Österreich gerade für seine zehnjährigen Staatsanleihen den sehr moderaten Zinssatz von 0,35 Prozent pro Jahr. Und solange die Europäische Zentralbank die Märkte mit Milliarden flutet, ist der Unterschied zwischen AAA-Bonität und AA+ für die Abwägung eines Investors wohl zweitrangig. Am „Finanzmarkt“ reagieren eben schon länger nicht mehr Marktregeln, sondern Zentralbanken.

Mehr Entlastung nötig, mehr Reformen

Aber die Analysten von Moody’s zeigen doch einen schmerzhaften Punkt auf: Österreichs Wirtschaft kommt schlicht viel zu langsam in die Gänge, um wirklich im Spitzenfeld der Industrieländer mitzuspielen und seine Schulden abzubauen. Zwar loben die Analysten von Moody’s wie auch die meisten Ökonomen etwa die Steuerreform als „kleinen, positiven Schritt“, aber angesichts der großen Herausforderungen war die Entlastung schlicht zu wenig. Strukturreformen wären nötig, um die Steuerbelastung zu senken, die extrem niedrige Beschäftigungsquote älterer Menschen zu erhöhen und das Produktivitätswachstum anzukurbeln. Solange das nicht passiert, bleibt Österreich die konjunkturelle Kriechspur, erwarten die Ratingprüfer:

Against the backdrop of these structural impediments, Moody’s forecasts that Austria’s real GDP growth will average only 1.3 % over the period 2016–20, which is significantly lower than the pre-crisis average of 2.5 % for the period of 1999 to 2007 and the median growth rate for Aaa-rated countries.
1,3 Prozent Wachstum bis 2020 ist angesichts des starken Bevölkerungswachstums bestenfalls eine Stagnation im Wohlstandsniveau. Da hilft es nicht, dass die Regierung mit ihrer „perceived unpredictability“ in der Causa Heta das Investitionsklima eingetrübt hat.
Siehe auch: Das Heta-Schuldenmoratorium war ein Schuss ins Knie

Österreich zählt jedenfalls nicht mehr zu jenen Ländern, die man als Spitze bezeichnen könnte. Dazu braucht es keinen Brexit. Das bekommt man auch mit einem jahrelangen Reformstau hin. Wobei der Brexit Großbritannien noch nicht einmal das AAA-Rating bei Moody’s gekostet hat – lediglich der Ausblick wurde auf negativ gesetzt. Das aber war er in Österreich ohnedies schon länger – ganz ohne Ratingagenturen.

Ratingentscheidung 24.6.2016

Moody’s