Nach dem Ölpreiszerfall will Shell den Energiemarkt umbauen

von Lukas Sustala / 08.04.2015

Der Ölkonzern Shell reagiert auf den Ölpreiszerfall und nutzt die extrem niedrigen Zinsen für eine milliardenschwere Übernahme der BG Group. In Europas Schuldenagenturen sind dank der EZB goldene Zeiten ausgebrochen. Und der Währungsfonds schaltet sich in den Streit zwischen Ben Bernanke und Larry Summers ein. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Fusionsfieber und billiges Geld grassieren gern gemeinsam. Auf den Ölpreiszerfall folgt das Fusionsfieber. Der Ölkonzern Shell will um mehr als 60 Milliarden Dollar den britischen Gasproduzenten BG Group übernehmen. Die Briten bestätigten die Gespräche. Shell würde damit den Öl- und Gasmarkt umkrempeln und zum zweitgrößten Energiekonzern nach Marktwert aufsteigen. Es wäre die jüngste Übernahme in einem Jahr, das mit einer Reihe großer Deals, etwa der Lebensmittel-Fusion von Kraft und Heinz angefangen hat, und ein Rekordjahr für die emsigen Investmentbanken im Bereich M&A.

Schulden leicht gemacht. Apropos billiges Geld. Erstmals hat auch das vermeintliche Krisenland Spanien zu Negativzinsen Schuldpapiere begeben. Investoren zahlen also beim Verleihen von Geld an Staaten drauf. Dafür ist wesentlich auch die EZB verantwortlich, die am 9. März mit einem Staatsanleihenkaufprogramm angefangen hat. Seit dem Jahresbeginn sehen sich die europäischen Regierungen geradezu verzweifelten Investoren gegenüber, die sie mit Geld zu Niedrigstzinsen überhäufen. Das folgende Chart zeigt, um wie viele Prozentpunkte die Staatsanleihenrenditen für zehnjährige Schuldscheine gefallen sind. Die deutschen zehnjährigen Zinsen liegen mit 0,16 Prozent schon lange unter der Wahrnehmungsschwelle klassischer Sparer:

IWF schaltet sich in Ökonomenstreit ein. In der Blogosphäre tobt eine Debatte um die „säkulare Stagnation“. Die These vom langfristigen Stillstand, die der ehemalige präsidiale Wirtschaftsberater Larry Summers propagiert, wurde von Ben Bernanke in einem Blogeintrag weitgehend bestritten. Der Internationale Währungsfonds aber scheint Summers insoweit zuzustimmen, dass eine Normalisierung der Zinswelt und höheres Wirtschaftswachstum keineswegs ausgemacht sind. Schließlich mahnen die Ökonomen des Fonds in einem aktuellen Beitrag für den halbjährlich erscheinenden Weltwirtschaftsausblick, dass sich die Industrieländer langfristig wohl mit niedrigeren Wachstumsraten anfreunden müssen – auch wegen der Demografie. Die heimische Regierung sollte den Beitrag genau lesen, denn er verheißt wenig Gutes für die Spielräume heimischer Sozialsysteme.

Von der Hypo bekam jeder Geld. Die größten Verlustfälle der Hypo in Südosteuropa, angeführt von 160 Millionen Euro Schaden bei der kroatischen Ferienanlage Rezidencija Skiper.

Wenig Zins-Zuflucht. Auch in übrigen Kapitalmärkten gibt es keine Renditen mehr abzuschöpfen. Mehr als zwei Drittel von Unternehmensanleihen mit guter Bonität haben aktuell eine Rendite von unter einem Prozent (FT, Paywall).

Intervention, unterbrochen. Dänemark musste im März nicht mehr zugunsten des Euro intervenieren. Die Kapitalflucht nach Kopenhagen wegen der EZB-Geldpolitik ist offenbar zu Ende.

Tops und Flops. Das Wall Street Journal hat vier Investmentgurus nach ihren Top- und Flop-Entscheidungen befragt. Die Gemeinsamkeiten: Top-Entscheidungen finden dann statt, wenn man sich diszipliniert gegen den Mainstream stellt, Flops, wenn man spät auf einen schnell fahrenden Zug aufspringt.

Wie man Trends vorhersagt. Innovation lernen heißt von Google lernen. Und der Chefökonom des Internetriesen hat ein interessantes Credo: „A simple way to forecast the future, is to look at what rich people have today.“ Wer also wissen will, welche Innovationen auf dem Weg sind, unser Leben zu revolutionieren, soll auf die Elite schauen. Andrew McAfee, Autor des aktuellen Bestsellers „The Second Machine Age“ hat in der Financial Times einen spannenden Gastkommentar dazu verfasst.