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Pensionen

Natürlich geht es um Pensionskürzungen

Meinung / von Lukas Sustala / 21.12.2015

Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner setzt bei Pensionen auf subtile Argumente. Drohende Kürzungen sollen den Koalitionspartner nicht scheu machen. Dabei geht es um Transparenz, auch bei den aktuell eingebauten automatischen Pensionserhöhungen.

Reinhold Mitterlehner war heute zu Gast im Morgenjournal. Es ging ein bisschen um Österreich, viel um die EU, Flüchtlinge und den Klimawandel. Kurz ging es aber auch um das, was wirklich in der Macht der Regierung liegt: um die Pensionen. Der Vizekanzler gab einen interessanten Satz darüber zu Protokoll, wie man die bevorstehende Pensionsreform anpacken müsse. Er sagte:

Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass Leistungen gekürzt werden, daher müssen wir subtil vorgehen.

Interessant.

Nachdem ich mich nicht um ein politisches Amt bewerbe, möchte ich den Satz gerne umformulieren:

Wir müssen die Wahrheit aussprechen, dass Leistungen gekürzt werden, daher müssen wir transparent vorgehen.

Es geht um Kürzungen …

Warum geht es bei der Pensionsreform auch um Kürzungen? Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Vermögen angespart, von dem Sie in Ihrer Pension zehren wollen. 500.000 Euro sind es, die Sie über die 25 Jahre tragen sollen. Bei den aktuellen Zinsen schaffen Sie es allerdings gerade einmal, die Inflation auszugleichen, also dürfen Sie pro Jahr mit 20.000 Euro rechnen. Wenn Sie aber nicht 25, sondern noch 30 Jahre leben, dann bleiben Ihnen effektiv nur noch 16.666 Euro pro Pensionsjahr, eine Leistungskürzung um fast 20 Prozent.

Im österreichischen Pensionssystem passiert das aktuell nicht. Egal, wie stark die Lebenserwartung steigt, für Pensionisten kommt es zu keiner Leistungskürzung. Der Staat stockt also jährlich den fiktiven Pensionstopf weiter auf, um die steigende Lebenserwartung auszugleichen.

Wenn hingegen die Lebenserwartung künftig auch über das Pensionsantrittsalter mitbestimmt, was der gesunde Menschenverstand verlangt, dann kommt es zu Pensionskürzungen. Über die längere Phase der Einzahlungen und die weniger lange Phase der Auszahlungen. So ehrlich muss man in der Debatte sein.

… weil es sonst teurer wird

Wer diese Ehrlichkeit verlangt, muss auch an anderer Stelle ehrlich sein: Wenn die Lebenserwartung weiter ein blinder Fleck des Pensionssystems bleibt, kommt es implizit ständig zu Pensionserhöhungen. Und die muss jemand bezahlen.

Dass der immer längere Lebensabend, wie aktuell der Fall, zur Gänze den nachkommenden Generationen aufgebürdet wird, ist ein schwerer Fehler. Ein ebenso schwerer Fehler ist es, so zu tun, als müsste man nichts kürzen.