APA/ROLAND SCHLAGER

Walkthrough

Nie wieder Heta!?

von Lukas Sustala / 05.10.2016

Der Schlussstrich unter dem Heta-Debakel. Die Prioritäten am Finanzplatz Österreich. Und die geprügelte Deutsche Bank. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Nie wieder Heta!? Endlich. Ein Schlussstrich. So raunt es diese Woche durch den Blätterwald, wenn es um die Nachfolgerin der Hypo Alpe Adria geht. Die Gläubiger der Heta haben dem Schuldenrückkauf zugestimmt, durch den sich die Republik und das Land Kärnten einige Milliarden ersparen wollen (NZZ.at). Laut Hans Jörg Schelling haben so viele dem Schnitt zugestimmt, dass das nötige Quorum erfüllt wird. Also alles gut? In der Causa Hypo Alpe Adria wird niemals alles gut sein. Die budgetäre Belastung bleibt, für den Bund und für Kärnten; wie kräftig der Vertrauensverlust für den österreichischen Kapitalmarkt bleibt, wird sich erst langfristig zeigen. Das Tragische ist wohl tatsächlich, dass zu wenige, und oft die falschen, Schlüsse aus dem Desaster gezogen wurden (NZZ.at).

Prioritäten in Österreich: Aufsicht statt Kapital. Der Finanzminister könnte auch an anderer Stelle bald aktiv werden. Eine Neuordnung der heimischen Finanzaufsicht ist schon seit längerem im Gespräch, in den kommenden Wochen soll es so weit sein. Dann könnten weniger Kompetenzen bei der FMA und mehr bei OeNB und BMF liegen (Die Presse). Apropos Finanzaufsicht. Bei der Aufsichtskonferenz hat OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny noch einmal den Finanzminister im Ansinnen unterstützt, die EBA – die Europäische Bankenaufsichtsbehörde – nach Wien zu holen. Der Brexit mache es unmöglich, dass die Behörde in London verbleibe, wenn Großbritannien eines Tages nicht mehr EU-Mitglied ist. Angesichts der schwierigen Umstände etwa in der Risikokapitalbranche – ein wichtiges Rückgrat für ein Gründerland – müsste man auch darauf hoffen, dass private Kapitalgeber ähnlich umworben werden wie EU-Behörden. Denn Private Equity und Risikokapital als Finanzierer von Wachstum haben in Österreich seit Jahren eher einen schweren Stand (NZZ.at).

Alles nicht so schlimm. Die Weltwirtschaft läuft aktuell ein bisschen besser als ihr Ruf. Zugegeben: Wirklich brüllend gut läuft es nicht, insbesondere bei den Industrieländern sind konjunkturelle Ermüdungserscheinungen festzustellen, allen voran in den USA. Doch die Gefahr kommt weniger von der wirtschaftlichen Großwetterlage als von der politischen Seite, warnt der IWF: Denn protektionistische, populistische Tendenzen greifen um sich (NZZ.at). Und das ist gerade auch in Europa und Österreich (Stichwort: CETA) längst festzustellen.

Der gläserne Kontobesitzer. Das zentrale Kontenregister ist mit heute in Kraft getreten, das Bankgeheimnis ist Geschichte (Ö1). Über richterlichen Beschluss können Steuer- und Strafbehörden nicht nur die Zugriffsberechtigten, sondern auch die Kontobewegungen sehen. Ob das alleine schon rechtfertigt, dass der Finanzminister mit 700 Millionen Euro Mehreinnahmen im Jahr rechnet, werden die kommenden Jahre zeigen. Will man tatsächlich so viel mehr einnehmen, werden wohl viele Bürger in den kommenden Monaten und Jahren darüber verständigt werden, dass Einschau genommen wurde. Wer so viel finden will, muss wohl auch viel suchen.

Die Deutsche Bank, geprügelt. Wenn eine Bank im Gerede ist, ist das selten gut. Bei der größten privaten deutschen Bank, der Deutschen Bank, ist das auch nicht anders. Wenn etwa die Financial Times fünf Szenarien zur Deutschen Bank wälzt, die vom Abverkauf von Vermögenswerten bis zur Staatshilfe reichen, dann ist schon längst Feuer am Dach (FT). Tatsächlich ist der Marktwert des Instituts, den ihm die Aktionäre beimessen, in einem Jahr um die Hälfte gesunken – auch wenn er sich zuletzt etwas erholt hat. Das Misstrauen der Investoren, gemessen am Unterschied zwischen dem Buchwert und dem an der Börse beigemessenen Unternehmenswert, ist immer größer geworden. Aktuell notiert die Deutsche Bank nur noch zu einem Preis-Buchwert-Verhältnis von 0,26, also mit einem heftigen Abschlag von knapp drei Viertel. Das ruft auch Schadenfreudige auf den Plan (NZZ.at).

„Diese verherrlichten Spitzenmanager gibt es nicht mehr.“ Standard-Journalistin Renate Graber hat Andreas Treichl zu einem lesenswerten Interview gebeten. Auch wenn er stets betont, wie spannend aktuell die Zeiten im Banking sind, an jeder Stelle wird klar, dass „the good old days“ vorüber sind. Ob es nun um Kreditvergabe geht: „Klein- und Mittelkunden bekommen nur noch standardisierte Produkte. Die Beziehung Kunde – Banker spielt keine Rolle mehr, wir können mangels Entscheidungsspielraum kaum noch Fehler machen. Aber das wollten die Regulatoren ja erreichen.“ Oder um die Spitzenmanager: „Die ruhmreichen Zeiten sind vorbei. Diese glorreichen, verherrlichten Spitzenmanager gibt es nicht mehr. Wirklich gute Spitzenmanager müssen heute entweder die Risiken eines Unternehmers übernehmen oder etwas verwalten.

Inspirationen: Food for thought

Ein bisschen Kontext zum wirtschaftlichen Kräfteverhältnis auf der Welt.

Es sieht nicht gut aus für eine große Reform des Finanzausgleichs (Ö1).

Eine Grafik zum Nachdenken: Das superschwache Pfund (gegen den Schweizer Franken).

„Wirtschaftslehrbücher gehören ins Regal neben Harry Potter“ (NZZ.at).

Sozialpolitisches Obszönitätenkabinett.